Christa Zöchling mit dem „Zeituhr“-Team

Christa Zöchling mit dem „Zeituhr“-Team

Österreich

Aus der Redaktion

Christa Zöchling befasste sich mit der folgenschweren Nacht vom 11. auf den 12. März 1938 und Christian Rainer und Robert Treichler trafen Joschka Fischer. Die Woche in der profil-Redaktion.

Die aktuelle Titelgeschichte umfasst einen Zeitraum von exakt 24 Stunden. Allerdings geht es dabei nicht um irgendeinen beliebigen, sondern um einen in seiner folgenschweren Tragweite historischen Tag: In der Nacht vom 11. auf den 12. März 1938 wurde der austrofaschistische Ständestaat aufgelöst, und die Nationalsozialisten übernahmen die Macht – unter frenetischem Jubel breiter Teile der Bevölkerung. Der sogenannte „Anschluss“ war vollzogen. Christa Zöchling rekapituliert die Chronik der laufenden Ereignisse anschaulich und beklemmend in Form eines Stationendramas, das am 11. März 1938 um 18 Uhr im Deutschen Verkehrsbüro in Wien beginnt und am 12. März um 18 Uhr auf dem Linzer Hauptplatz endet, zwei Stunden vor Adolf Hitlers Rede auf dem Rathausbalkon. (Kommenden Sonntag um Punkt 18 Uhr wird ein von namhaften Historikern entwickeltes Projekt online gehen, das die Geschichte jenes schicksalhaften Tages interaktiv erfahrbar macht: www.Zeituhr1938.at)

Der deutsche Ex-Außenminister Joschka Fischer steht unter Journalisten im Ruf, arrogant zu sein. Christian Rainer und Robert Treichler können diesen Eindruck nicht bestätigen. Als sie den bald 70-Jährigen vergangene Woche in seinem Büro in Berlin-Mitte zum Interview trafen, erlebten sie einen gut gelaunten, im Vergleich zu früher spürbar milder gewordenen Elder Statesman. Im Small Talk sprach er unter anderem über sein entspanntes Verhältnis zu Insignien der Heimatverbundenheit. Er sei „in Lederhosen aufgewachsen“ und habe sie immer gemocht, denn „auf die musste man nicht achtgeben, die waren nie dreckig – oder immer dreckig“. Aufgrund seiner ungarndeutschen Herkunft (die Eltern wurden 1946 aus Budapest vertrieben) fühlt Fischer sich Österreich nahe. Zur hiesigen Innenpolitik meint er lapidar: „Die österreichischen Wähler haben es so gewollt. Sie werden ihre Erfahrungen machen und es danach bewerten.“

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