„Politik ist ein Beruf auf Zeit“
Österreich

Sonja Wehsely: „Politik ist ein Beruf auf Zeit“

Wiens Gesundheitsstadträtin

profil: Sie verlassen die Politik und wechseln zu Siemens Healthcare nach Deutschland. Warum?
Wehsely: Nach zehn Jahren als Gesundheitsstadträtin ist man gut vernetzt, daher gab es immer wieder Gespräche, die sich dann in eine konkretere Richtung entwickelt haben. Ich bin mit 46 Jahren in einem Alter, wo es möglich ist, ein neues Kapitel im Berufsleben aufzuschlagen. Es wird zwar immer gefordert, dass es mehr Wechsel zwischen Politik und Privatwirtschaft gibt – wenn es dann passiert, wird es kritisch beäugt. Dabei muss es im Grunde so sein, dass Politik ein Beruf auf Zeit ist. Für mich persönlich war klar: Ich werde nicht als Wiener Gesundheitsstadträtin in die nächste Wiener Wahl gehen.

profil: Sondern als was – Bürgermeisterin?
Wehsely: Sich auf dieses Feld zu begeben, wäre die eine Option gewesen, ich habe mich aber entschieden, ein ganz neues Kapitel meines beruflichen Lebens aufzuschlagen.

profil: Sie sind ein Feindbild, auch für die Fans von Werner Faymann, und galten als Ablösekandidatin. War Ihre Kritik an ihm ein Fehler?
Wehsely: Ich wusste schon damals, dass das nicht dazu führt, dass meine persönlichen Beliebtheitswerte steigen. Bei der Abwägung – nützt mir das persönlich oder ist es wichtig für die Sozialdemokratie – habe ich mich für die Sozialdemokratie entschieden. Das halte ich nach wie vor für richtig. Es war richtig von der SPÖ, sich für Christian Kern zu entscheiden. Die Aufgabe eines Parteivorsitzenden muss immer sein, bessere Werte als die Partei zu haben – wenn das nicht mehr der Fall ist, braucht es eine Veränderung. Für mich ging es in der Politik immer darum, Dinge zu verändern. Das bedingt auch, Widerstand nicht aus dem Weg zu gehen. Um ganz nach oben zu kommen, darf man nicht ganz so sein. Ganz eindeutig werden da zwischen Männern und Frauen entscheidende Unterschiede gemacht, vor allem in Boulevardmedien.

profil: Wie soll es in der SPÖ Wien weitergehen?
Wehsely: Bürgermeister Michael Häupl hat eine Personalrochade angekündigt, ich gehe davon aus, dass es größere Pläne gibt. Jeder muss für sich selbst wissen, wann es Zeit für Veränderung ist. Stillstand ist Rückschritt.

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  • Mo., 16. Jan.. 2017 20:28

    Welch jämmerliches Schauspiel.Da versagt eine durch Vitamin B gepuschte Politikerin total in ihrem Bereich und wird als Lohn für ihr Versagen in die nächste Etage hochgelobt.
    Was muß Siemens an der Stadt Wien verdienen, dass sie sich solche Null Nummern leisten können.Vorher war ja schon einmal die Tausender Gitti dran.
    Daran sieht man wieder wie miserabel Politik funktioniert.

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  • Mo., 16. Jan.. 2017 10:57

    politik ist KEIN beruf. wer dieser auffassung ist, sollte jedes politische amt schleunigst aufgeben. insofern muss man der frau wehsely noch dankbar sein: als lobbyistin für siemens (ihr herr vater auch manager dort) hätte sie noch mehr 'krankenhäuser nord' produziert. man fragt sich immer, was grösser ist: die arroganz gegenüber dem wähler oder die blindheit gegenüber dem amt.

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