Blattkritik
Wirtschaft

Wurde die ungarische Zeitung „Népszabadság“ aus politischen Gründen verkauft?

Heinrich Pecina, Gründer von Vienna Capital Partners, hat die ungarische Zeitung „Népszabadság“ nun verkauft. An einen dem Orbán-Lager zugerechneten Konzern mit undurchsichtiger Eigentümerstruktur und Aktivitäten in Österreich.

Eines kann man Heinrich Pecina ganz gewiss nicht vorwerfen: Entscheidungsschwäche. Das hat der ehemalige Creditanstalt-Banker und Gründer des Investmenthauses Vienna Capital Partners (VCP) in den vergangenen Wochen eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Nachdem er buchstäblich über Nacht die ungarische Tageszeitung „Népszabadság“ zusperren ließ (profil berichtete), verkaufte er nun schnell entschlossen die VCP-Tochter Mediaworks, ihres Zeichens eines der größten Medienunternehmen Ungarns und Eigentümerin von „Népszabadság“. Neben dem suspendierten regierungskritischen Blatt bringt Mediaworks eine Reihe von Regionalzeitungen, eine populäre Sport-Tageszeitung, Frauenmagazine sowie Fachzeitschriften heraus. All das ist nun im Besitz einer gewissen Opimus Group.

Kritiker werten das als Beleg, dass die Einstellung von „Népszabadság“ politisch motiviert war und letztlich auf das Konto der rechtskonservativen Regierungspartei Fidesz ging. Ministerpräsident Viktor Orbán war das Blatt, welches immer wieder Skandale im Regierungsumfeld aufdeckte, schon seit Längerem ein Dorn im Auge. Mit dem Verkauf an die Opimus Group sei das Medienkonglomerat nun in regierungsnahen Händen.


In den Jahren seit Orbáns Präsidentschaft vermochte der ehemalige Gasinstallateur sein Vermögen enorm zu vermehren.

Schon vor Monaten kursierten in Budapest Gerüchte, dass eine Gesellschaft rund um den Bauunternehmer Lőrinc Mészáros Mediaworks kaufen könnte. Glaubt man ungarischen Medien, haben sich diese Gerüchte nun bewahrheitet. Demnach handle es sich bei der Opimus Group um ein Unternehmen im Einflussbereich des Puszta-Oligarchen. Mészáros ist tatsächlich eine spannende Figur: Jugendfreund von Viktor Orbán und Bürgermeister in dessen Heimatgemeinde Felcsut. In den Jahren seit Orbáns Präsidentschaft vermochte der ehemalige Gasinstallateur sein Vermögen enorm zu vermehren. Mészáros’ diverse Baufirmen leben nahezu ausschließlich von öffentlichen Aufträgen, zu seinem Firmenimperium gehören auch große Landwirtschaftsbetriebe. Heute zählt er zu den reichsten Menschen Ungarns. Viele vermuten, dass er in Wahrheit ein „Stróman“ des Ehepaars Orbán sei – man muss kein Ungarisch sprechen, um zu verstehen, was damit gemeint ist.

Mészáros selbst bestreitet allerdings jedwede Verbindung zur Opimus Group. Eine offizielle Funktion hat er dort tatsächlich nicht inne. „Der Eigentümerkreis der Opimus ist sehr undurchsichtig“, sagt András Dési. „Es wird vermutet, dass seine Gesellschaften mit Opimus-Töchtern verbunden sind“, so der suspendierte, ehemals leitende Redakteur von „Népszabadság“. Zu den formellen Eigentümern der an der Budapester Börse gelisteten Unternehmensgruppe gehören etwa die auf den Cayman Inseln registrierte Cariati Holding (mit 24,5 Prozent), die nigerianische TAC Investment (15,9 Prozent) sowie die ungarische Status Capital Investment (8,38 Prozent). Ob mit oder ohne Mészaros: Der Verkauf an Opimus ist auch so bemerkenswert. Laut diversen Finanzplattformen war die Gruppe zunächst auf Herstellung und Vertrieb veterinärmedizinischer Produkte spezialisiert. Heute zählen indes laut Unternehmenswebsite ein Kamin- und Ofenhersteller, eine Baufirma, unterschiedliche Immobilienprojekte sowie das Vierstern-Hotel Relax Resort am steirischen Kreischberg zum Portfolio. Expertise im Mediengeschäft konnte dieser Gemischtwarenladen bisher offenbar nicht vorweisen. Die Tochter Opimus Press Zrt. – die eigentliche Mediaworks-Käuferin – wurde erst im heurigen Frühjahr gegründet.


Glaubt man diesen Angaben, wurde das Unternehmen mit seinen mehr als 1100 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von rund 80 Millionen also in gerade einmal 17 Tagen geprüft, bewertet, verkauft.

Bemerkenswert ist auch die Geschwindigkeit, mit der dieser Deal über die Bühne ging. Laut Presseaussendung der VCP trat Opimus erst nach der Schließung der „Népszabadság“ – also frühestens am 8. Oktober – mit einem Angebot an die Österreicher heran. Am 25. Oktober war das Geschäft unter Dach und Fach. Glaubt man diesen Angaben, wurde das Unternehmen mit seinen mehr als 1100 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von rund 80 Millionen also in gerade einmal 17 Tagen geprüft, bewertet, verkauft – und das mit einer auffallend schnell vorhandenen Genehmigung der ungarischen Wettbewerbsbehörde.

Heinrich Pecina will sich dazu nicht mehr äußern. Zuvor hatte er politische Motive für die Schließung noch kategorisch ausgeschlossen (profil Nr. 42/16).

Laut VCP-Aussendung hat Opimus Press den Zuschlag vor anderen Interessenten erhalten, nachdem man sich bereit erklärt hatte, einen „Relaunch der ‚Népszabadság’ ernsthaft zu prüfen“. Sollte es tatsächlich zu einem Neustart der Zeitung kommen – Opimus will auf profil-Anfrage nicht konkreter werden –, wird das Blatt eher nicht mehr dasselbe sein. Dafür wurde gesorgt. In Windeseile hat man Gábor Liszkay in den Mediaworks-Vorstand gehievt, den Herausgeber der überaus regierungsfreundlichen Zeitung „Magyar Idök“. „Damit wurde die gesamte Medienlandschaft umgekrempelt. Jetzt werden rund 90 Prozent von Fidesz kontrolliert“, meint Redakteur Dési.

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