Hauptstrasse Ust-Chorna, Königsfeld
©Dominik Geiger

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Ukraine-Krieg
03/30/2022

Ukraine: Die österreichischen Siedler im "Tal der Vergessenen"

Im 18. Jahrhundert zogen Holzfäller aus dem Salzkammergut in die Westukraine. Ihre Nachfahren kümmern sich neuerdings um Flüchtlinge.

von Edith Meinhart

Fotos: Dominik Geiger

Das Bergdorf Königsfeld liegt in der westlichen Ukraine, nahe der Grenze zur Slowakei, zu Rumänien und Ungarn. Eine rustikale Holztafel heißt Besucher „herzlich willkommen“. Vor 250 Jahren waren hier Holzfäller aus dem Salzkammergut gelandet, um die Buchenwälder zu schlägern, denn die Monarchie konnte nicht genug Holz kriegen.

Heute leben hier etwa 20 Familien, die immer noch so reden wie jene ersten Siedler, die 1775 außer einem Fluss und bewaldeten Hängen nichts vorfanden. In ihren schindelgedeckten Häusern zeigen die Uhren neben der ukrainischen auch die österreichische Zeit an. Unweit der russisch-orthodoxen Kirche steht eine römisch-katholische. Manchmal verirren sich Zivildiener aus Österreich nach Königsfeld, um an der Schule Deutsch zu unterrichten. So erfuhr der Wiener Fotograf Dominik Geiger vom „Tal der Vergessenen“.

Vor zweieinhalb Jahren machte er sich mit der Bahn und Bussen auf die lange und holprige Anreise, um hier nach den Spuren der Holzarbeiter aus dem Salzkammergut zu suchen. Seine Werke sind am 25. März im Rahmen des Festivals Foto Wien zu sehen. Prints können in limitierter Auflage online erworben werden. Der Erlös kommt der Ukraine-Hilfe von SOS Kinderdorf zugute.

Das westukrainische Bergdorf ist inzwischen voller Flüchtlinge. „450 haben wir aufgenommen“, sagte Peter Sojma, 58, vergangene Woche zu profil. Über 20 Jahre hat er mit der Motorsäge Bäume gefällt. Auch Vizebürgermeister war er. Nun sammelt er Geld, dirigiert Hilfstransporte, kümmert sich um soeben angekommene Waisenkinder, installiert für sie eine Waschmaschine und kauft ein Schwein, damit sie etwas zu essen haben.

50 Männer aus Königsfeld sind eingerückt. Noch liegt die Front hinter dem Gebirge von Transkarpatien. Sojma ist zwei Jahre zu jung, um ins Ausland zu flüchten. Er würde ohnedies nicht gehen: „Wenn der Krieg auch zu uns kommt, dann kommt er. Was soll man machen?“