0,1 Prozent beträgt der Schaden der US-Zölle für das österreichische BIP
Das zeigt eine Analyse des Wifo und des Lieferketteninstituts ASCII auf Basis der im September 2025 geltenden Zollsätze, die den unmittelbaren Wertschöpfungsverlust der österreichischen Wirtschaft infolge geringerer Exporte in die USA beziffert.
Auslöser ist die jüngste Erhöhung der US-Importzölle um 15 Prozent auf nahezu alle Waren aus der Europäischen Union, die auch Österreich unter Druck setzt, obwohl die direkten Handelsbeziehungen mit den USA vergleichsweise begrenzt sind. Der eigentliche wirtschaftliche Schaden entsteht jedoch über indirekte Kanäle.
Mehr als zwei Drittel der gesamten negativen Effekte lassen sich auf Verflechtungen innerhalb europäischer Wertschöpfungsketten zurückführen. Viele österreichische Unternehmen liefern Vorleistungen an Partnerländer wie Deutschland, Italien oder Frankreich, die deutlich stärker vom US-Markt abhängig sind. Brechen dort Exporte weg, sinkt in der Folge auch die Nachfrage nach österreichischen Zwischenprodukten.
Zahltag
Am Zahltag erklären Expertinnen und Experten des Wirtschaftsforschungsinstitutes (Wifo) eine Zahl, die für die österreichische Wirtschaft von Bedeutung ist.
Insgesamt dürfte die industrielle Wertschöpfung in Österreich um etwa 0,56 Prozent zurückgehen. Besonders stark betroffen sind Branchen, die tief in europäische Produktionsnetzwerke eingebunden sind. Auch der Dienstleistungssektor bleibt nicht unberührt. Zwar sind direkte Zolleffekte hier kaum relevant, jedoch führen die Abschwächung der Industrie und geringere Investitionen zu spürbaren Nachfrageeinbußen in unternehmensnahen Dienstleistungen, im Transportwesen sowie im Handel. Besonders betroffen sind Bereiche, die eng mit der industriellen Produktion und dem Export verknüpft sind.
Für die Wirtschaftspolitik ergibt sich daraus ein klarer Handlungsauftrag: Eine stärkere Diversifizierung der Exportmärkte, robustere und anpassungsfähigere Lieferketten sowie gezielte Unterstützung besonders verwundbarer Industriecluster sind entscheidend, um die Widerstandsfähigkeit des Standorts Österreich zu erhöhen. Gerade diese Industrien bilden das Rückgrat der heimischen Wertschöpfung und sichern langfristig Beschäftigung und Innovationsfähigkeit.
Wifo-Experte Asjad Naqvi
Asjad Naqvi ist Ökonom und arbeitet seit Juni 2022 in der Forschungsgruppe „Klima-, Umwelt- und Ressourcenökonomie“ des Wifo.