65 Prozent der Pflegegeldbezieher werden von Angehörigen gepflegt
Die Pflege im vertrauten Wohnraum ist ein zentraler Bestandteil des österreichischen Pflegesystems. Laut einer Gallup-Umfrage aus dem Jahr 2021 wollen mehr als die Hälfte der Befragten selbst in schweren Pflegefällen zu Hause gepflegt werden. Häusliche Pflege besteht zum Großteil aus professionellen mobilen Diensten sowie aus informeller Angehörigenpflege.
Internationale Studien zeigen, dass informelle Pflege durch Angehörige zu erheblicher Mehrbelastung für diese führt. Damit verknüpft ist oft ein Rückgang der Erwerbstätigkeit der Pflegenden – besonders von Frauen. Es zeigt sich, dass mit Pflegeverpflichtungen oft eine erhöhte Anzahl von Krankenständen einhergeht, ebenso ein früherer Pensionsantritt. Gesundheitlich ist Pflege oft mit mentaler Belastung verbunden.
Zahltag
Am Zahltag erklären Expertinnen und Experten des Wirtschaftsforschungsinstitutes (WIFO) eine Zahl, die für die österreichische Wirtschaft von Bedeutung ist.
Diese Forschungsergebnisse unterstreichen die Bedeutung professioneller Pflegedienste für die Entlastung der Angehörigen. Die Möglichkeit, Pflege auszulagern, wird jedoch maßgeblich vom regionalen Angebot bestimmt. Der stetige Ausbau professioneller Dienste bleibt damit ein zentraler Faktor für die Zukunftsfähigkeit des österreichischen Pflegesystems, zumal die Pflege durch Kinder aufgrund der gesunkenen Geburtenraten künftig abnehmen wird.
Im Dezember 2025 bezogen in Österreich 504.505 Personen Pflegegeld – ein neuer Höchststand. Bereits im Mai wurde erstmals die 500.000er-Marke überschritten. Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt einen klaren Aufwärtstrend, der maßgeblich von einer alternden Bevölkerung beeinflusst wird. Die Statistik Austria prognostiziert bis 2080 einen Anstieg des Bevölkerungsanteils der über 65-Jährigen um 46 Prozent. Dann würde fast jede dritte Person in Österreich (knapp 30 Prozent der Gesamtbevölkerung) dieser Altersgruppe angehören. Darauf aufbauend prognostiziert das WIFO bis 2080 mehr als 850.000 Menschen, die Pflegegeld beziehen.
Manuel Zerobin
ist Ökonom am Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO)