Afghani

Der Afghani ist die Währung von Afghanistan.

© APA/AFP/ADEK BERRY

Wirtschaft
10/25/2021

Afghanistans Cash-Problem

Wie es dazu kam, dass der Wirtschaft im Bürgerkriegsland schlicht das Bargeld ausgegangen ist.

von Joseph Gepp

Chaos, Bürgerkrieg, Extremisten auf dem Vormarsch: Solche Zustände sind per se schon nicht gut für die Wirtschaft eines Landes. Im Fall Afghanistans, wo die Taliban im August die Macht an sich gerissen haben, kommt noch ein spezifischeres Problem hinzu: die extreme Knappheit an Geld. Sie könnte das Chaos weiter vergrößern und gar eine Hungersnot auslösen.

Woran liegt es? Afghanistan hat zwar eine Landeswährung, den Afghani, doch der ist der Bevölkerung egal. Stattdessen ist die Volkswirtschaft weitgehend dollarisiert; praktisch alle Geschäfte werden in der US-Währung abgewickelt.

Dass das Wirtschaftsleben läuft, dafür sorgten stets Schiffsladungen voller Dollarnoten. Von Häfen im benachbarten Pakistan und Indien wurden sie nach Afghanistan transportiert. Konkret kamen alle drei Monate 249 Millionen Dollar in Afghanistan an, berichtete im Oktober die US-Nachrichtenagentur „Reuters“. Verpackt in Pakete aus Hundert-Dollar-Noten. Und anschließend – mehr oder weniger – sorgsam verwahrt in Tresoren im Präsidentenpalast und der Zentralbank in der Hauptstadt Kabul.

Als die Taliban im Sommer das Land nach und nach eroberten, schwanden die Dollarberge in Kabul rasch dahin. Offiziell wurden sie in Filialen der Zentralbank in afghanische Provinzstädte gebracht, um sie vor dem Zugriff der Taliban zu schützen. Tatsächlich dürften riesige Mengen Bargeldes gestohlen worden sein. „Ein Teil des Geldes ging angeblich in einigen der Provinzfilialen der Zentralbank verloren (gestohlen)“, heißt es in einem vertraulichen Bericht für internationale Geldgeber vom September, den Reuters zitiert. „Die Devisenreserven sind aufgebraucht, die Zentralbank kann Bargeldanforderungen nicht erfüllen.“

Nachschub kommt auch keiner mehr. Die Milliarden an Auslandshilfen für Afghanistan sind eingestellt. Indien hat seine Häfen für afghanische und pakistanische Güter gesperrt, nachdem am Hafen der westindischen Stadt Mundra tonnenweise afghanisches Heroin entdeckt worden ist.

Niemand weiß, wie es nun weitergehen soll. Den Banken geht das Geld aus. Die Bargeldausgabe wurde auf 200 Dollar wöchentlich limitiert, doch selbst diese Menge ist meist nicht verfügbar. Die Zentralbank – nunmehr unter Taliban-Kontrolle – fordert die Bevölkerung auf, auf den Afghani umzusteigen. Ohne dabei ein beträchtliches Hindernis zu erwähnen: Draußen in der echten Welt wird die Währung meist gar nicht akzeptiert.

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