„Argo“: Grobkörnige Hommage

Die (wahre) Geschichte dieses Films ist bizarr: Sechs amerikanische Diplomaten, die in höchster Lebensgefahr schweben, sollen aus dem Iran geschleust werden.

Dort tobt im Jahr 1980, kurz nach dem Sturz des von den USA unterstützten Mohammad Reza Pahlavi, die Islamische Revolution tobt. Die beste unter den vielen schlechten Ideen, die der Exfiltrations-Spezialist (Regisseur und Hauptdarsteller Ben Affleck) dazu entwickelt, ist die Vortäuschung einer kanadischen Trivial-Filmproduktion und die Maskierung der Diplomaten als Filmteam. Man weiß nicht recht, worauf Affleck mit seiner Inszenierung hinaus will: Als Thriller wirkt „Argo“ seltsam routiniert, verlässt sich der Regisseur doch auf Hollywoods älteste Spannungsmechaniken; zur Comedy schwingt sich der Film auch nur szenenweise auf – dazu sind die Parts der (dennoch fabelhaften) Schauspieler John Goodman und Alan Arkin zu wenig entwickelt –, und zum politischen Statement taugt „Argo“ erst recht nicht.

Das Werk bleibt ideologisch ambivalent: Die USA machten sich die Finger schmutzig, indem sie den Schah stützten, aber am Ende weht den unbewaffneten Helden dieses Films (und der selbstlosen CIA) dann doch die US-Flagge; die Violinen schluchzen, die Liebe siegt. George Clooney, selbst politisierter Filmstar, koproduzierte „Argo“ als Hommage an das grobkörnige Kino der 1970er-Jahre, als solide patriotische Unterhaltung. Ben Affleck verzichtete übrigens im Vorfeld der Dreharbeiten auf einen Recherche-Trip in den Iran, als ihm klar wurde, dass er als Hollywoodstar dort sehr schnell zu „Teheran Ben“ werden würde – und sein Bild Propagandamaterial für den bösen Ahmadinejad werden könnte.