© Felix Birkenseer

Aya Jaff: "Alle wollten sein wie dieses Arschloch"
05/05/2020

"Alle wollten sein wie dieses Arschloch"

Sie gilt als die bekannteste Programmiererin Deutschlands, was ihr den Titel "Mrs. Code" (© "Die Zeit") und eine Einladung zu Jan Böhmermanns "Neo Magazin Royale" einbrachte. Aya Jaff, 25, Deutsch-Irakerin, Studentin, Gründerin, Mitentwicklerin des B

von Christina Hiptmayr

Interview: Christina Hiptmayr

profil: Ist die Corona-Krise denn ein guter Zeitpunkt, um in Aktien zu investieren? Jaff: Die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt stellt man sich doch auch außerhalb der Krise. Für viele ist das jetzt natürlich eine sehr anstrengende und fordernde Zeit, wo man aufs Geld schauen muss. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber in meiner Familie wird jetzt auch sehr viel Freunden ausgeholfen, den Leuten, denen es eben nicht so gut geht. Da denkt man dann weniger dran, das übrig gebliebene Geld an die Börse zu bringen. Wer jetzt aber etwas auf der Kante hat und es auch ausgeben kann, für den ist es sicher nicht verkehrt, sich an der Börse mal umzuschauen. Viele Kurse sind krass gesunken, und man kann jetzt günstig einsteigen. Bemerkenswerterweise beginnen sich seit Ausbruch der Krise nun auch viele meiner Freunde, die das Thema immer abgelehnt haben, für den Aktienmarkt zu interessieren.

profil: Die Börsenkurse sind zwar tatsächlich runtergegangen, aber nicht in dem Ausmaß, wie man es angesichts einer solchen Krise erwarten würde. Jaff: Ich sage das als junger Mensch, der die letzte Wirtschaftskrise von 2008 nicht aktiv mitbekommen hat: Es ging uns lange Zeit gut. Wenn ich jetzt von fallenden Kursen spreche, dann kommen die teilweise von einem Allzeithoch. Aber sie sind gefallen und liegen damit nicht mehr im Trend der letzten drei Jahre. Und klar ist, die Rezession werden wir noch alle zu spüren bekommen.

profil: In welche Unternehmen oder Branchen würden Sie jetzt investieren? Jaff: Ich will keine konkreten Tipps geben, ich bin keine Anlageberaterin. Aber grundsätzlich sollte man sich Unternehmen ansehen, deren Einbußen vor allem aus der Corona-Krise resultieren, und sich überlegen, ob man langfristig an deren Geschäftsmodell glaubt. Wenn man so einsteigt, hat man gute Chancen, in ein paar Jahren mit einem Plus rauszukommen.

profil: Was hat eigentlich Ihr Interesse an der Börse geweckt? Jaff: Mit 15 oder 16 habe ich Filme wie "The Wolf of Wall Street" gesehen. Das war eine Welt, die mir unglaublich fern war: mittelalte weiße Männer, die im Geld schwimmen. Leonardo Di-Caprio hat die Rolle dieses Arschlochs gespielt, das Ganze untermalt mit cooler Musik. Meine Freunde wollten alle sein wie er. Wenn man sich die Popkultur oder Filmgeschichte ansieht, haben die Leute mit viel Geld immer Dreck am Stecken. Ich dachte mir, nur weil man an der Börse handelt, muss das doch nicht zwangsläufig heißen, dass man zu den Bad Boys gehört. So begann ich, mich damit zu beschäftigen. Noch intensiver dann, als ich selbstständig wurde und mich wirtschaftliche Themen völlig überrollt haben. Ehrlich gesagt waren mir Begriffe wie "Zinsen" oder "Steuern" total fremd. Da habe ich beschlossen: Hey, das muss sich ändern.

Aya Jaff "Moneymakers. Wie du die Börse für dich entdecken kannst" FinanzBuch Verlag, 200 S., € 16,99

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