NATIONALRAT MIT BUDGETREDE: MARTERBAUER (SPÖ)
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„Danke für nichts!“: Das Wackelbudget der Dreierkoalition

Die Regierung einigt sich auf ein Budget und streitet über den Umgangston. Wer das bezahlt – und was nach der Budgetrede unklar bleibt.

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Die Regierung sitzt an der Kippe. Und das wortwörtlich. Für die Budgetrede von Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) quetschen sich die 21 Regierungsmitglieder und Staatssekretäre von ÖVP, SPÖ und Neos auf die Regierungsbank. Die bequemeren Bürostühle müssen aus Platzmangel weichen. Stattdessen nimmt die Regierung auf engen, alten Holzsesseln Platz. Kanzler Christian Stocker (ÖVP) sitzt so knapp am Rand, dass sein linker Fuß immer wieder von der Stufe zur Regierungsbank fällt.

Markus Marterbauer hat dieses Problem nicht: Der Finanzminister hält seine Rede im Stehen. 98 Minuten lang. Marterbauers Blick wandert meist nach links. Dort, wo die Abgeordneten der SPÖ sitzen, findet der Finanzminister noch am ehesten so etwas wie Halt. Denn auf den 43 Seiten seiner Budgetrede hat Marterbauer wenig Erfreuliches zu berichten. „Ich werde Ihnen nichts vormachen“, sagt er gleich zu Beginn: „Die Zeiten sind ernst.“ Fünf Milliarden Euro muss die Regierung bis 2028 zusätzlich ins Budget bringen – oder weniger ausgeben.

NATIONALRAT MIT BUDGETREDE: MARTERBAUER (SPÖ)
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Schuld an der Misere ist aus der Sicht des Finanzministers die schlechte Weltwirtschaft, die geopolitische Unsicherheit, allen voran der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran, und die Vorgängerregierung. Die nicht gegenfinanzierten Steuersenkungen und Ausgabenerhöhungen würden das Budget im Jahr 2028 noch immer mit 15 Milliarden Euro belasten, rechnet Marterbauer vor und schickt ÖVP und Grünen dann ein zynisches: „Danke für nichts!“ entgegen. Die Grünen reagieren empört, der schwarze Koalitionspartner pikiert: „Wenn wir vom Sparen reden“, meint ÖVP-Finanzsprecher Andreas Ottenschläger, „hätte sich der Finanzminister diesen Spruch sparen können.“

Wenn wir vom Sparen reden, hätte sich der Finanzminister diesen Spruch sparen können.

Andreas Ottenschläger

ÖVP-Finanzsprecher

Doch der spart wohl schon genug: 2,5 Milliarden Euro muss die Republik 2028 einsparen, um aus dem Defizitverfahren der EU zu kommen. Das ist kein Selbstzweck, betont Marterbauer: Reduziert die Republik nicht ihr jährliches Defizit, steigt die Zinslast. Schon jetzt zahlt Österreich jährlich rund 600 Millionen Euro allein an Zinsen. Ohne Sanierungsmaßnahmen wären diese Kosten noch stärker gewachsen. Marterbauer: „Ich gebe die Steuereinnahmen lieber für Kindergärten und Pflege aus, nicht für Zinsen!“ Weitere 2,5 Milliarden Euro sollen Offensivmaßnahmen finanzieren, allen voran die Senkung der Lohnnebenkosten um einen Prozentpunkt, aber etwa auch das zweite verpflichtende Kindergartenjahr. Viele kleine Einzelmaßnahmen sollen die Republik zu diesen Zielen führen. 

Wer darf sich nun über das Doppelbudget freuen? Und wer zahlt die Rechnung?

Max Miller

Max Miller

ist seit Mai 2023 Innenpolitik-Redakteur bei profil. Schaut aufs große Ganze, kritzelt gerne und mag Grafiken. War zuvor bei der „Kleinen Zeitung“.

Josef Redl

Josef Redl

ist Redakteur im Wirtschafts-Ressort.