Die Party ist vorbei

Die Party ist vorbei

Der Kärntner Wähler pfiff auf Wahlpräsente und Freibier. Er suchte die persönliche Auseinandersetzung mit der Politik. Gut so.

Das war’s dann. Die Ära der Selbstbedienung, der Feste auf Steuerzahlerkosten und der Part-of-the-game-Zahlungen ist in Kärnten vorbei. Die Freiheitlichen haben eine Niederlage in einem Ausmaß eingefahren, wie es wohl nicht einmal depressive Pessimisten innerhalb der blauen Funktionärsriege erwartet haben.

Wirklich überraschen konnte das am Sonntag aber niemanden in der FPK. Wer am Samstag vor der Wahl die kärglich besuchte Schlussveranstaltung am Alten Platz in der Landeshauptstadt besucht hat, wo sich früher die Massen sogar in den Nebengassen gedrängt haben; wer der Abschlussparty am Abend in einem Klagenfurter Innenstadtlokal beigewohnt hatte, wusste, was es geschlagen hat: Gerade einmal ein paar Dutzend Funktionäre verloren sich – und das trotz Getränkebons, Gewinnspiel und der Anwesenheit von HC Strache – auf überschaubarem Raum.

Jetzt lassen wir einmal die zahlreichen Verfahren, die bei der Korruptionsstaatsanwaltschaft anhängig sind und ein wesentlicher Entscheidungsfaktor für dieses Wahlergebnis waren, außer Acht: Bis zuletzt haben die Freiheitlichen nicht verstanden, dass ein Wahlkampf, der an die glorreichen Brot-und-Spiele-Jahre eines Jörg Haiders angeknüpft hat, überholt war. In Zeiten, wo immer mehr Arbeitnehmer ihren Job verlieren, Familieneinkommen sinken, von Wirtschaftsabschwung und Einsparungen die Rede ist, kann ein Stimmenkauf, bei dem Steuergeld buchstäblich auf der Straße verteilt wird (Nudeln in FPK-Form, blaue Schals in feinstem Strick, Freibier für alle), schon unabhängig vom politischen Programm nicht ziehen. Die Party war schon vorbei, bevor die Freiheitlichen dazu eingeladen haben.

Die sozialdemokratischen Funktionäre haben diesmal auf einen persönlichen Wahlkampf gesetzt. Persönlich im Sinne von Hausbesuchen, ganz so, wie es in den USA Tradition ist und ihn die Republikaner bereits unter Bush jun. perfektioniert haben. Es war die richtige Entscheidung in einer Zeit, in der die Nachrichtenlage für den Bürger immer undurchsichtiger wird, die Politik durch Skandale einzelner generell unten durch ist. Da war der persönliche Kontakt, die direkte Auseinandersetzung mit dem Bürger der einzige Weg, zu diesem durchzudringen. Mit Plakaten, vagen Wahlversprechen und Präsenten lässt sich heute kein Wähler mehr ködern.

Ein Paradigmenwechsel? Das werden die Analysen der nächsten Tage zeigen. In Kärnten jedenfalls war es ein Weg, einem in jeder Hinsicht überforderten und desillusionierten Wähler zu signalisieren, dass die Politik ihn ernst nimmt – und nicht nur ausnimmt.