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AlpinEnergie-Geschäftsführer Stephan Pöll (l.) und Anton Stockert-Seilern
Energie Klagenfurt kündigt Partner nach Millionen-Vergleich
Christian Scheider hat eine abwechslungsreiche Woche hinter sich. Der Klagenfurter Bürgermeister besuchte das Streetfood-Festival in der Innenstadt, hatte die Akrobaten vom Circus Louis Knie zu Besuch im Rathaus und gratulierte einem Bürger der Stadt persönlich zum 101. Geburtstag. Hände schütteln kostet kein Geld – und die Stadt Klagenfurt ist ein Sanierungsfall.
Im Jahr 2025 konnte die Stadt erst im Sommer ein Budget beschließen, auch dank einer Sonderdividende der Stadtwerke. Damals durchforstete ein Konsolidierungsstab mit externen Beratern monatelang die Stadtfinanzen nach Einsparungspotenzialen. Ohne Reformen droht 2026 die Zahlungsunfähigkeit, lautete der Befund. Daran ließ der Konsolidierungsstab in seinem Abschlussbericht keinen Zweifel: Die Klagenfurter Stadtwerke werden auch in Zukunft mit Dividenden zur Sanierung beitragen müssen. Es ist für Klagenfurt überlebenswichtig, dass die Stadtwerke-Gelder zuverlässig fließen. Und ausgerechnet in der Cashcow der Stadtwerke, beim Stromversorger Energie Klagenfurt, rumort es derzeit gewaltig. Vertriebspartner streiten vor Gericht um Millionen, die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf schweren Betrug.
Die Jungunternehmer Stephan Pöll und Anton Stockert-Seilern fürchten um ihre wirtschaftliche Existenz. Gerade haben sie ihr neues Büro am Wiener Karlsplatz bezogen. „Was wir erleben, ist surreal“, sagt Pöll. Als Unternehmensberater bei großen Consultingunternehmen haben sie jahrelang anderen erklärt, wie man es richtig macht. Dann wollten sie den Beweis antreten, dass sie es selbst auch können. Im Jahr 2025 haben Pöll und Stockert-Seilern ein bestehendes Energieberatungsunternehmen gekauft. Die „PR Beteiligungsholding“ mit Sitz in Wien betreut unter der Marke Alpinenergie mit einem Netz von mehr als 100 Vertriebspartnern Gewerbe- und Industriekunden beim Energieeinkauf. Das meiste Geschäft machen sie damit, Verträge für den Stromanbieter Energie Klagenfurt zu verkaufen. Das Energieversorgungsunternehmen ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Stadtwerke Klagenfurt, die wiederum im alleinigen Eigentum der Kärntner Landeshauptstadt steht. Die Energie Klagenfurt GmbH setzte 2024 (neuere Zahlen gibt es noch nicht) 354 Millionen Euro um und erwirtschaftete einen Jahresüberschuss von 16,7 Millionen Euro.
Seit der Marktliberalisierung zur Jahrtausendwende ist der Verkauf von Strom- und Gasverträgen zu einem florierenden Geschäftsfeld für Makler geworden. Es ist ein Provisionsgeschäft, das viele „Vertriebler“ nebenberuflich betreiben. Meistens hängen die Verkäufer an einer Agentur, die Konditionen mit den Stromlieferanten aushandelt und den Papierkram erledigt – und vor allem die Auszahlung der Provisionen übernimmt. Für Vertriebspartner wie Alpinenergie ist die „Energie Klagenfurt“ ein gutes Geschäft. Das Unternehmen zahlt nicht nur eine Provision für Neukunden, sondern auch Bestandsprovisionen für die laufende Betreuung.
Die florierenden Geschäftsbeziehungen bestehen seit über zehn Jahren. Seit Stephan Pöll und Anton Stockert-Seilern „Alpinenergie“ übernommen haben, gibt es jedoch Ärger. Und glaubt man den beiden Unternehmern, dann liegt es nicht an ihnen.