Hypo: Krisenbank verbrennt weiter Milliarden an Steuergeldern

Hypo: Krisenbank verbrennt weiter Milliarden an Steuergeldern

Die staatliche Krisenbank Hypo Alpe-Adria hat die Reihe ihrer schockierenden Nachrichten fortgesetzt. 1,67 Mrd. Euro Nettoverlust stehen in der Halbjahresbilanz 2014. Grund sind Abschreibungen vor Umwandlung in eine Abbaufirma und Wertberichtigungen vor dem Verkauf der Balkan-Banken.

Erst vor knapp fünf Monaten hatte die Bank für 2013 einen Rekordverlust von 2,748 Mrd. Euro im Einzelabschluss und von 1,86 Mrd. Euro im Konzern gemeldet. Die Bilanz 2013 konnte heuer im April nur nach einem weiteren Kapitalnachschuss von 750 Mio. Euro geschlossen werden. Schon zum Halbjahr 2013 konnte die von teuren Abschreibungen gebeutelte Bank nur dank eines Steuergeldeinschusses bilanzieren.

Weitere Milliarden für Abbau fauler Kredite
In Summe hat der Staat bis zum heurigen Frühjahr 4,35 Mrd. Euro an Kapital in die Bank eingeschossen, dazu kamen 1,2 Mrd. Euro Haftungen. Noch weitere Steuermilliarden wird der Abbau der faulen Kredite und Assets in einer Verwertungsgesellschaft kosten. Das wird aber erst in einigen Jahren ersichtlich sein.

Am Freitag ist Hauptversammlung. Da steht die formale Gründung der nach dem Sondergesetz einzurichtenden Holding für die Abbaueinheit an, ebenso die Herauslösung der Italien-Tochter aus dem Konzern. Noch laufende Abstimmungen zu personellen Besetzungen sollen bis dahin fertig sein.

Bank ab Herbst nicht mehr fortgeführt
Zur Abdeckung des Bilanzlochs per Ende Juni 2014 sei diesmal kein frisches Staatskapital nötig, wurde am Mittwoch bekräftigt. Die Bank wird als solche ab Herbst nicht mehr weiter fortgeführt, und die jetzt zum Stichtag Juni klaffende Unterkapitalisierung sei demnach schon jetzt kein Problem mehr. Denn da ist man - wie es heißt - mit dem seit Anfang August laufenden Schuldenschnitt aus dem Schneider.

Anstelle der Steuerzahler halten in dem Fall die vom Schuldenschnitt betroffenen Nachranganleihe-Gläubiger dafür her. In Summe geht es um Papiere für 1,6 Mrd. Euro, die wertlos wurden bzw. werden - die Hälfte davon von der Ex-Hypo-Konzernmutter BayernLB.

Beim Kernkapital lag die Hypo wegen der tiefroten Zahlen zur Jahresmitte jetzt nur bei 4,1 Prozent, was eine Unterdeckung von 276 Mio. Euro bedeutete, im Einzelinstitut waren es gar nur 1,5 Prozent (Unterdeckung: 490 Mio. Euro). Weitere Zahlen zum Einzelabschluss gab es heute zunächst nicht.

Verkaufsbeschlüsse erst unter neuem Finanzminister
Wieviel die Hypo jetzt im Halbjahr wieder auf die zum Verkauf anstehenden Balkantöchter abschreiben musste, wurde demnach heute nicht verraten, um erhoffte Verkaufserlöse nicht zu schmälern. Verkaufsbeschlüsse wird es erst unter einem neuen Finanzminister geben. Seit gestern ist das ganze Hypo-Debakel jedenfalls nicht mehr das Problem von Michael Spindelegger, der als Finanzminister das Handtuch geworfen hat.

Um ihre Balkanbanken verkaufen zu können, musste die Hypo in der Bilanz bis Juni noch einmal drastisch wertberichtigen. Insgesamt 1,44 Mrd. Euro an Rückstellungen in der Halbjahresbilanz haben mit der Herauslösung der italienischen Tochter und mit dem bevorstehenden Verkauf des Südosteuropanetzwerks zu tun. Für die Balkan-Banken selbst ("SEE-Segment") wird nach Steuern ein Verlust von 4,3 Mio. Euro angegeben. Letztes Jahr lag der Halbjahresverlust der Südosteuropabanken zusammen bei 96,8 Mio. Euro.

Die Bilanzsumme der Hypo lag Ende Juni bei 25,2 Mrd. Euro. Der Konzernzwischenabschluss per Ende Juni war im übrigen der letzte, der die Hypo als Gesamtgruppe dargestellt hat.

(APA/Red.)