Isabel dos Santos, 2014
Isabel dos Santos, 2014

© AFP PHOTO/ PUBLICO/ FERNANDO VELUDO/ PORTUGAL OUT

Wirtschaft
02/29/2020

Luanda Leaks: Andritz verlor Großauftrag in Angola

Vertrag mit Firma der früheren Präsidententochter Isabel dos Santos über 285 Millionen Euro: Angolanische Regierung kippte Kraftwerks-Deal nachträglich.

von Stefan Melichar

Wie profil in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, hatte der steirische Anlagenbauer Andritz Mitte 2018 kurzfristig einen Großauftrag in Angola in der Tasche, verlor diesen allerdings rasch wieder. Andritz-Firmen in Österreich, Deutschland, Angola und China sollten Lieferungen und Leistungen für ein großes Wasserkraftwerkprojekt namens Caculo Cabaca erbringen. Entsprechende Verträge wurden mit einer Firma unterzeichnet, die Isabel dos Santos, der Tochter des früheren angolanischen Präsidenten José Eduardo dos Santos, zuzurechnen war.

José Eduardo dos Santos hatte den 4,5-Milliarden-Dollar-Auftrag für die Kraftwerkserrichtung im Jahr 2015 an ein Konsortium vergeben, an dem die Firma seiner Tochter mitbeteiligt war. Der Sub-Auftrag für Andritz sollte sich – vorliegenden Vertragsentwürfen zufolge – auf insgesamt rund 285 Millionen Euro belaufen. Zur Umsetzung kam es jedoch nicht. Der nunmehrige angolanische Präsident Joao Manuel Goncalves Lourenco nahm die – angeblich eigenmächtige – Beauftragung von Andritz zum Anlass, um die Firma von Isabel dos Santos aus dem Staudamm-Konsortium auszuschließen. Bereits zuvor waren in Angola Korruptionsvorwürfe gegen dos Santos aufgetaucht – sie selbst bestreitet vehement jedes Fehlverhalten.

Dass Andritz um ein Haar bei dem umstrittenen Geschäft mitgemischt hätte, ergibt sich aus dem länderübergreifenden Investigativprojekt „Luanda Leaks“ des International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ). profil ist in dem Datenbestand, den das ICIJ mit ausgewählten Medienpartnern teilt, auf den steirischen Anlagenbauer gestoßen.

Andritz selbst bestätigte auf profil-Anfrage die Vorgänge im Wesentlichen. Das Auftragsvolumen wurde nicht dementiert. Die Beauftragung sei lediglich bedingt und abhängig von der Genehmigung durch den Endkunden erfolgt, teilte das Unternehmen mit. Diese Genehmigung gab es letztlich nicht: Andritz habe ein Monat lang an dem Projekt gearbeitet, bevor der Vertrag gestoppt und nach sechs Monaten annulliert worden sei. Angefallene Arbeitsstunden seien abgegolten worden. „Außer den im Projektgeschäft üblichen Angebotskosten ist Andritz kein weiterer Schaden entstanden.“ Der Auftrag ging nunmehr an den deutschen Konkurrenten Voith.