Michael Haneke zum Siebzigsten

Der Übervater des österreichischen Kinos: Michael Haneke zum Siebzigsten.

Seine Präzision ist so berühmt wie seine Gnadenlosigkeit: Am Freitag dieser Woche wird der Autor, Regisseur und Moralist Michael Haneke, der einen im wirklichen Leben gern mit einem gewissen Unernst aus der Fassung bringt, 70 Jahre alt.

Natürlich interessiert ihn sein Geburtstag nicht, warum sollte man auch etwas feiern, das keine große Leistung darstellt, also ignoriert er, in seiner längst berühmten lakonischen Manier, alle Gratulationszudringlichkeiten und widmet sich, wie ohnehin immer, lieber seiner jeweils nächsten und übernächsten Arbeit, schreibt ein akribisch konzipiertes Drehbuch nach dem anderen, das er anschließend Wort für Wort am Set umsetzt, auf Film bannt, so radikal wie möglich, um die Welt aus immer neuen Perspektiven anzugreifen, um sein Publikum erst aus der Reserve zu locken und dann zuzustoßen, gnadenlos eben. Der Schock sitzt tief, jedesmal, aber die Schönheit der Form, auf die Haneke anzuspielen niemals vergisst, versöhnt mit der Ungerührtheit, die er dazu benutzt, einen über Dinge nachdenken zu lassen, die man unter anderen Umständen lieber verdrängt und vermieden hätte.

Niemand hat Österreichs Autorenfilm stärker geprägt als er: Seit 1989, als das Suizid-Planspiel "Der siebente Kontinent“ in die Kinos kam, übt Haneke seinen kaum zu überschätzenden Einfluss aus, hat viele wesentliche RegiekünstlerInnen mit ausgebildet, etwa Jessica Hausner, Markus Schleinzer, Kathrin Resetarits. Als Regieprofessor an der Wiener Filmakademie legt Haneke seit ein paar Jahren einer ganz neuen Generation den Gedanken äußerster künstlerischer Kompromisslosigkeit nahe, ohne den Werke wie "Die Klavierspielerin“, "Caché“ oder "Das weiße Band“ nicht entstehen hätten können. Hanekes jüngster Film, schlicht "Amour“ genannt, wird, wenn nicht alles täuscht, im kommenden Mai in Cannes seine Weltpremiere erleben. Es wird ein Film über die Zumutungen des Alters sein, besetzt mit dem legendären französischen Schauspieler-Duo Jean-Louis Trintignant, 81, und Emmanuelle Riva, 85. In einer Nebenrolle zu sehen: Isabelle Huppert. Illusionen sollen sich andere machen. Haneke blickt mitleidlos ins Inferno.