OMV-Tochter: Das ist die Führung von Österreichs neuem Weltkonzern
Die teilstaatliche OMV und die Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC) haben am Donnerstag den neuen Vorstand und Aufsichtsrat ihrer Petrochemie-Tochter Borouge International Group (BGI) vorgestellt. Roger Kearns wird demnach zum Vorstandsvorsitzenden bestellt. Er war zuletzt Vorstand des kanadischen Chemiekonzerns NOVA Chemicals, der gemeinsam mit der österreichischen Borealis und Borouge aus Abu Dhabi zum neuen Chemie-Megakonzern Borouge International Group fusioniert wurde.
Vertriebschef wird der Österreicher Stefan Doboczky. Er war Vorstand der Lenzing AG und wurde im Vorfeld auch als Nachfolger des scheidenden OMV-Chefs Alfred Stern gehandelt. Vorstand für das operative Geschäft wird Hasan Karam. Seit 2023 war er bei Borouge in der gleichen Position tätig.
Zur Vorgeschichte: OMV und ADNOC, die mit 24,9 Prozent an der teilstaatlichen OMV beteiligt ist, haben im Vorjahr ihre Chemietöchter Borealis und Borouge zusammen mit der kanadischen Nova Chemicals zum neuen Megakonzern BIG fusioniert. Entstanden ist dadurch ein mit 40 Milliarden Euro bewertetes Unternehmen, das künftig in Österreich firmiert, aber an der Börse von Abu Dhabi erstgelistet ist. Das Closing dieses Deals ist für Ende März angekündigt. Das Zweitlisting an der Wiener Börse soll 2027 folgen.
Die Wahl Kearns als Vorstand dürfte dem Vernehmen nach ein Zugeständnis an die kanadische Seite sein, nachdem der Firmensitz nach Österreich ging und das Börsenlisting in den Emiraten blieb. Kearns ist seit 40 Jahren in der Petrochemie-Branche tätig. Den Großteil seines Berufslebens verbrachte er beim britischen Chemiekonzern Solvay. Im Juni 2023 wechselte er zu Nova Chemicals.
Mann an der Spitze
Gemessen am Börsenwert des Unternehmens, ist Roger Kearns künftig der mächtigste Manager des Landes.
Stefan Doboczky ist seit 2024 bei Borealis tätig, die nun in die BIG aufgeht. Zuvor leitete er den Holzfaserhersteller Lenzing aus Oberösterreich. In seine Amtszeit fiel während der Pandemie die Gründung der Maskentochter Hygiene Austria von Lenzing und Palmers. 2021 wurde bekannt, dass viele der Corona-Masken eigentlich aus China stammten. Doboczky betonte immer wieder gegenüber Medien, nichts von allfälligen Unregelmäßigkeiten gewusst zu haben. Die Tochterfirma wurde mittlerweile aufgelöst.
Hasan Karam war bei Borouge in Abu Dhabi für den Ausbau und die Transformation des Standorts zuständig und wirkte ebenfalls an der Fusion der drei Chemieunternehmen mit. Karam ist seit Jahrzehnten im Chemiegeschäft tätig und gilt als ADNOC-Mann im Vorstand des Konzerns.
Die Position des Finanzvorstands – in börsennotierten Konzernen oft die Nummer zwei nach dem CEO – soll Ende Mai bekanntgegeben werden.
Stern und Seele im Aufsichtsrat
Im Aufsichtsrat der neuen BIG treffen zwei bald ehemalige OMV-Bosse unter dem Aufsichtsratsvorsitzenden Sultan Ahmed Al Jaber aufeinander: Alfred Stern und Rainer Seele. Stern wurde neben Reinhard Florey, Martijn van Koten, Edith Hlawati und Georg Knill von der OMV in den Aufsichtsrat nominiert. Die von ADNOC nominierten Aufsichtsratsmitglieder sind: Sultan Ahmed Al Jaber (Vorsitzender), Musabbeh Al Kaabi, Fatema Al Nuaimi, Rainer Seele und Klaus Fröhlich.
Stern verlässt Mitte des Jahres die OMV. Eigentlich sollte sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin zusammen mit dem neuen Vorstand der BIG vorgestellt werden. Die Ankündigung verzögert sich nun weiter.
Der neu gegründete Chemiekonzern startet jedenfalls in einer äußerst angespannten Marktlage. Wegen des Kriegs im Iran stehen auch die Emirate immer wieder unter Beschuss. An den Anlagen in der Region sollen bereits weitreichende Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden sein. Die Blockade der Straße von Hormus trifft auch ADNOC empfindlich. Die schwierige Marktlage hat jedenfalls Auswirkungen auf die OMV-Dividende aus dieser Beteiligung. Statt der geplanten 500 Millionen Euro soll die OMV für 2026 nur 250 Millionen Euro erhalten.