Auf die Idee sind andere schon vorher gekommen: Im Dezember 2025 beschlossen die EU-Finanzminister, dass auf Pakete aus Drittstaaten ab Juli 2026 ein Zoll in der Höhe von drei Euro eingehoben wird. Es geht um Sendungen mit einem Warenwert von unter 150 Euro. Für diese muss bei Einfuhren in die Europäische Union derzeit kein Zoll bezahlt werden. Das Ausmaß ist gewaltig: Im Jahr 2024 sind 4,6 Milliarden zollfreie Pakete in die EU geliefert worden, mehr als 90 Prozent stammen aus China. Die Sendungen von chinesischen E-Commerce-Unternehmen wie Temu und Shein gehen dabei den Weg des geringsten Widerstandes: Versandhändler können sich beim so genannten One-stop-Shop-System in einem EU-Land ihrer Wahl registrieren lassen. Dorthin übermitteln sie die Daten ihrer Lieferungen und entrichten gleich auch die Einfuhrumsatzsteuer - und ab Juli den Zoll von drei Euro. In den vergangenen Jahren haben sich drei große Umschlagplätze für China–Importe in die EU etabliert: Amsterdam, Budapest und Lüttich. Dort kommen auch die meisten chinesischen Pakete an, die für Österreich bestimmt sind. Bei der Einfuhr in die Zollunion wird registriert, wohin die Pakete schlussendlich gehen - so können die EU–Behörden auch die Einfuhrumsatzsteuer an die jeweiligen Zielländer verteilen. Der österreichische Zoll bekommt diese Daten aber nicht.
„2024 sind sieben Millionen Sendungen mit einem Warenwert von unter 150 Euro direkt in Österreich in die EU importiert worden“, erklärt Logistikexperte Walter Trezek. Auf die könnte man vielleicht eine rot-weiß-rote Paketabgabe draufschlagen. Der Rest ist eine Blackbox. Kontrolliert wird ohnedies kaum: Europas Zollbeamte sehen sich gerade einmal 0,0082 Prozent aller Pakete stichprobenartig an, der Rest wird einfach durchgeschleust.
Rumänien kein Vorbild
Der Verlockung von Paketabgaben können Finanzminister schwer widerstehen. Die Probleme bei nationalen Alleingängen sind überall die gleichen: „Rumänien hat mit 1. Jänner eine eigene Paketabgabe eingeführt. Ich habe mit Vertretern der Post dort gesprochen. Die haben keine Ahnung, wie sie das umsetzen sollen“, so Logistikexperte Trezek. Und wie soll das in Österreich funktionieren? „Das ist noch in der politischen Abstimmung“, heißt es dazu aus dem Finanzministerium auf profil-Anfrage. Dem Vernehmen nach will die Regierung die Zustelldienste mit der Einhebung der Abgabe betrauen. Die stehen aber vor demselben Problem. Kommt ein Paket in Lüttich oder Budapest in die EU, erhält es in den dortigen Logistikzentren ein europäisches Paketlabel. Ein chinesisches Packerl ist dann für den Zusteller, der es nach Österreich bringt, nicht mehr von einem italienischen oder einem griechischen zu unterscheiden.