Philipp Nagl in der Ankunftshalle des Wiener Westbahnhofs.
Bild anzeigen
Wählen Sie profil als bevorzugte Google-Quelle

Bahnmanager Philipp Nagl: Der Mann mit den 150 Milliarden

Der Österreicher Philipp Nagl soll das marode deutsche Bahnnetz sanieren. Und er hat dafür verdammt viel Geld bekommen.

Drucken

Schriftgröße

Wenn Philipp Nagl einen Bahnhof betritt, ist er spürbar in seinem Element. Er erzählt vom Wiederaufbau des Westbahnhofs nach dem Zweiten Weltkrieg, findet den Umbau gelungen und stellt nebenbei die beiden Züge der Westbahn vor: „Das sind übrigens die chinesischen Züge, wegen denen es zuletzt diese Aufregung gab“, sagt er und lächelt dabei, als hätte er zwei alte Freunde getroffen. Die Westbahn setzt seit dem vorigen Jahr vier Züge des chinesischen Herstellers CRRC ein. Verkehrsminister Hanke musste deswegen öffentlich klarstellen, dass so etwas für die ÖBB nicht infrage kommt.

Philipp Nagl registriert jede Kleinigkeit, wahrscheinlich hat ein Teil seines Gehirns auch die Verspätungen auf der Ankunftstafel abgespeichert. Nagls Detailverliebtheit ist bei der Deutschen Bahn gefürchtet. Wenn der Österreicher mit dem Zug fährt, verschickt er per E-Mail Meldungen über alle Schäden und Mängel, die ihm auffallen. Und Nagl fährt oft mit dem Zug. Der Manager pendelt zwischen seinem Wohnort Wien und den Deutsche-Bahn-Standorten Berlin und Frankfurt. In den kommenden zehn Jahren muss er sich um die ganz großen Probleme kümmern. Nagl soll das marode Schienennetz der Deutschen Bahn sanieren.

Vor einem Jahr hat die deutsche Bundesregierung die berühmten 500 Milliarden Sondervermögen beschlossen. Wie viel davon dürfen Sie ausgeben?

Philipp Nagl

150 Milliarden von den 500 sind für die Eisenbahninfrastruktur vorgesehen. Aus dem Sondervermögen werden in den kommenden zehn Jahren Investitionen in das bestehende Netz und die Digitalisierung finanziert.

150 Milliarden klingt nach sehr viel. Wie groß ist der tatsächliche Investitionsbedarf bei der Deutschen Bahn?

Philipp Nagl

Es gibt einen Rückstand bei den Investitionen von ungefähr 130 Milliarden. Daneben müssen wir rund 20 Milliarden pro Jahr in die Bestandserneuerung investieren, damit nicht noch mehr Rückstand entsteht.

Stimmt es, dass die Deutsche Bahn allein im heurigen Jahr 28.000 Baustellen betreiben wird?

Philipp Nagl

Das stimmt. Das sind alle Baumaßnahmen – von sehr klein bis sehr groß. Der Baubedarf ist gigantisch. Bei den Autobahnen in Deutschland ist das ähnlich. Man muss jetzt aufholen, was über viele Jahre zu wenig gemacht wurde. In Österreich wurde in Autobahnen und Schieneninfrastruktur in den letzten 30 Jahren konstant sehr viel investiert.

Josef Redl

Josef Redl

ist Redakteur im Wirtschafts-Ressort.