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Wirtschaft
03/06/2021

Projekt Panda – Insiderinfos bei Wirecard-ÖBB-Deal?

Ein Oktoberfest-Besuch, ein ÖVP-naher Berater und ein Stoff-Pandabär: Wie Wirecard-Vorstand Jan Marsalek ein Millionengeschäft mit den ÖBB auf Schiene bringen konnte.

von Stefan Melichar, Michael Nikbakhsh

Bei einem rund 24 Millionen Euro schweren Auftrag der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) an den Zahlungsabwickler Wirecard könnte es im Vergabeprozess eine undichte Stelle im Umfeld der Bahn gegeben haben. Dies zeigen E-Mails und Dokumente, die einem Rechercheverbund aus profil, „Der Standard“ und dem ORF vorliegen.

Der damalige Wirecard-Vorstand Jan Marsalek war damals nicht unmittelbar in die Verhandlungen involviert. Dennoch widersprach er Anfang Oktober 2015 – in der heißen Phase der Ausschreibung – einem der Projektmanager, der Bedenken hatte, dass der von Wirecard gebotene Preis zu hoch sein könnte. Marsalek schrieb an den Mitarbeiter und setzte den damaligen Wirecard-CEO Markus Braun in Kopie: „Ich bin die einzig wahre Quelle zu Informationen zum Preis und der Preis ist NICHT zu hoch solange ich nicht mit anderem Feedback auf Euch zukomme.“ Ein andermal schrieb Marsalek: „Ich bin strikt gegen weitere Preisreduktionen, vor allem nicht um 20%. … es gibt aus meiner Sicht keinen Grund mit dem Preis runter zu gehen.“

Marsalek ist ein zentraler Akteur im Skandal um den 2020 kollabierten deutschen Finanzdienstleister und früheren DAX-Konzern mit besten Verbindungen in die Politik und ins nachrichtendienstliche Milieu. profil berichtete wiederholt ausführlich über die Affäre.

Konkurrent ortet Ungleichbehandlung

Am 30. Oktober 2015 später erhielt Wirecard den Zuschlag. Ein unterlegener Bieter erhob zwar zunächst Einspruch beim Bundesverwaltungsgericht – unter anderem wegen angeblicher Ungleichbehandlung. Dieser Bieter zog in der Folge den Einspruch jedoch wieder zurück und wurde als Zweitgereihter in der Ausschreibung später ebenfalls für die ÖBB tätig.

ÖVP-naher Berater involviert

Seine Quelle zu den sensiblen Preisinformationen legte Marsalek in den E-Mails nicht offen. Fest steht jedoch, dass bereits die erste Anbahnung des Auftrags Fragen aufwirft. So stellte den ursprünglichen Kontakt zwischen Marsalek und dem damaligen ÖBB-Personenverkehr-Vorstand Georg Lauber im Jahr 2014 ein ÖVP-naher Berater her, der ein Schulfreund Laubers war. Auch in der Folge kommunizierte Marsalek wiederholt mit diesem Berater über den potenziellen ÖBB-Auftrag. Man entwarf sogar einen „Partnervertrag“. Marsalek wollte dem Lobbyisten zehn Prozent Provision für die Vermittlung der ÖBB als Kunde zukommen lassen.

Marsaleks Panda-Diplomatie

Bei einem gemeinsamen Oktoberfest-Besuch nach einem Wirecard-ÖBB-Workshop im Herbst 2014 in München war auch der Berater mit von der Partie gewesen. Als eine ÖBB-Managerin dort im Trubel einen großen Stoff-Pandabären liegen ließ, nutzte Marsalek das gekonnt für positive Stimmungsmache. Er ließ seine Assistentin das Stofftier in einer großen Holzkiste auf Bambus betten und mit einer Wirecard-Grußbotschaft unter der Tatze nach Wien schicken. „Muss dann zur ÖBB. Wir müssen da etwas Lobby-Arbeit betreiben“, lautete Marsaleks Anweisung. Die Bahnmanagerin war entzückt.

Auf Anfrage des Rechercheverbunds legte ein Sprecher der ÖBB-Holding Wert auf die Feststellung, dass der Beschaffungsvorgang (wie jeder andere auch) „streng nach gesetzlichen Vorgaben und strikten internen Governance-Vorschriften“ abgewickelt worden sei. Ex-ÖBB-Manager Lauber schloss seinerseits aus, ÖBB-Interna an Marsalek oder den ÖVP-nahen Berater weitergegeben zu haben. Lauber verwies auf strenge vergaberechtliche Rahmenbedingungen und das Vier-Augen-Prinzip: „Ich für mich kann daher ausschließen, dass dieser Prozess nicht objektiv bzw. den rechtlichen Vorgaben entsprechend durchgeführt wurde.“

7000 Euro monatlich für Russland-Beratung

Ein Anwalt des ÖVP-nahen Beraters wiederum bestritt ebenfalls, dass sein Mandant Informationen an Wirecard weitergegeben habe. Dieser habe gar keine Informationen aus dem Vergabeverfahren gehabt. Eine Honorierung „für irgendwelche Vermittlungsleistungen“ sei nicht erfolgt. Sehr wohl wurde später jedoch ein anderer Vertrag zwischen Wirecard und der Firma des Beraters abgeschlossen. Dabei ging es um Beratungsleistungen und Marktanalysen in Bezug auf Russland – für 7000 Euro pro Monat.

Lesen Sie alle weiteren Details zur Auftragsanbahnung zwischen Wirecard und den ÖBB im aktuellen profil – bereits jetzt auch als E-Paper.

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