„Silver Linings": Gefilmtes Antidepressivum

David O. Russells Psycho-Komödie porträtiert grandios die seelische Gesundung innerhalb einer dysfunktionalen Familie.

Von Bert Rebhandl

Bei den Solitanos in Philadelphia ist der jüngste Sohn wieder zu Hause. Pat (Bradley Cooper) war in einer psychiatrischen Anstalt, nun hat ihn seine resolute Mutter nach Hause geholt. Den Rest der seelischen Gesundung soll er in vertrauter Umgebung schaffen. Allerdings hatten schon die Probleme von Pat mit dieser Umgebung zu tun. Sein Vater, auch er heißt Pat, explodiert gelegentlich wegen Kleinigkeiten. In David O. Russells „Silver Linings“ geht es um die Frage, ob sich eine bipolare Störung im Lebenszusammenhang eines typischen italoamerikanischen Haushalts in Philadelphia therapeutisch auflösen lässt. Medikamente sind kein Mittel, nur Begegnungen helfen. Pat trifft ein „funny girl“ namens Tiffany (großartig: Jennifer Lawrence). Der Ausweg, den Tiffany anbietet, fügt sich nahtlos in das Sozialprogramm des Films: „It's a dance thing.“ Sie möchte an einem Paartanzwettbewerb teilnehmen.

Wie schon in Russells „The Fighter“ (2010) steht eine dysfunktionale Familie zur Debatte, nur diesmal ein wenig offener für das Ganze der US-­Gesellschaft: Die Rede von den „silver linings“, die am Horizont das Ende der (psychischen) Nacht andeuten, gehört zu jenem Optimismus, der gewissermaßen nationales Kulturgut ist. Russell schafft es mit subtiler Regie und tollen Mimen (Robert De Niro war lange nicht mehr so gut), diesen Optimismus nicht zu enttäuschen, ihn aber an ein Realitätsprinzip zu binden, das wieder einmal im Genre der Komödie seine ideale Ausprägung findet.