Klima

Welche Auswirkungen die Kriege auf die Klimakonferenz haben

Krieg und Terror überschatten den Beginn der Weltklimakonferenz in Dubai, der ein Ölscheich vorsitzen wird. Der Friedens- und Konfliktforscher Stefan Kroll erklärt, warum trotzdem Hoffnung besteht.

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Es gab Gerüchte, die Klimakonferenz könnte verschoben oder gar abgesagt werden, sollte die Lage im Nahen Osten weiter eskalieren. Der Grund: In arabischen Ländern, also auch im Austragungsort in den Vereinigten Arabischen Emiraten, gebe es aktuell viele Ressentiments gegen Israelis, Juden, US-Amerikaner. Ist das politische Klima zu vergiftet, um über das Weltklima zu verhandeln?
Stefan Kroll
Das politische Klima ist schwierig. Doch die Gefahren durch die Klimaveränderung sind ein Risiko, das die Weltgemeinschaft teilt. Und es gab auch einzelne positive Anzeichen im Vorhinein, zum Beispiel die Ankündigung der Vereinigten Staaten und Chinas, in Klimafragen wieder näher zusammenzuarbeiten. Positiv ist auch, dass es eben nicht zu dieser Absage kam. Gleichzeitig sehen wir aber, dass in der Region selbst Vorhaben, die geplant waren, die eine Verbesserung in Sachen Klimaveränderungen herbeiführen sollten, gestoppt wurden. Die Lösung des Trinkwasserkonflikts zum Beispiel, wonach Jordanien Solarstrom geliefert und im Gegenzug Trinkwasser aus Israel bekommen hätte. Die weltpolitische Lage hat ihre Auswirkungen, und es wird spannend, zu beobachten, was auf dieser sehr wichtigen Klimakonferenz politisch tatsächlich möglich ist.

Stefan Kroll, 41,

forscht am Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung in Frankfurt und leitet dort die Wissenschaftskommunikation.

Zum Zeitpunkt unseres Gesprächs haben sich Israel und die Hamas gerade auf einen Waffenstillstand geeinigt.
Stefan Kroll
Es ist ein sehr positives Zeichen, zu sehen, dass Gespräche stattfinden. Das wird auch Auswirkungen haben, wie die Weltgemeinschaft über die Bedrohung durch das Klima sprechen wird. Wenngleich beide Parteien versichert haben, dass die Kampfhandlungen danach wieder weitergehen. Im Russland-Ukraine-Krieg dagegen sind, aus nachvollziehbaren Gründen, solche Fortschritte und Gespräche nicht zu sehen.
Welche Auswirkungen könnte der Nahostkonflikt konkret auf die Verhandlungen bei der COP haben?
Stefan Kroll
Ich denke, dass den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der COP klar ist, dass wir hier eine Frage haben, die man losgelöst von Konflikten betrachten muss. Das wird nicht vollends gelingen, weil die Gräben in der Weltgemeinschaft tatsächlich sehr tief sind. Es sind auch viele zivilgesellschaftliche Akteure dabei, die in den einzelnen Ländern durch ihren Aktivismus großen Druck ausüben. In den Bewegungen selbst gibt es ebenfalls tiefe Gräben.
Greta Thunberg, die Galionsfigur von Fridays For Future, fällt im Moment hauptsächlich durch ihre Parteinahme für die Palästinenser auf. Wie sehr beschädigt das die Klimabewegung?
Franziska   Dzugan

Franziska Dzugan

schreibt für das Wissenschaftsressort und ist Moderatorin von tauwetter, dem profil-Podcast zur Klimakrise.

Christina   Hiptmayr

Christina Hiptmayr

ist Wirtschaftsredakteurin und Moderatorin von tauwetter, dem profil-Podcast zur Klimakrise.