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Wie zahlt man Brot mit einem Philharmoniker?

Am Ende aller Tage ist Gold als Zahlungsmittel erste Wahl: Aber wie zerkleinert man einen Philharmoniker für den täglichen Einkauf?

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Haben Sie sich schon mal gefragt, wie man Goldmünzen zerschneidet? Was es also braucht, um beispielsweise ein Torteneck aus einem Philharmoniker zu bekommen? Es ist ja so: End-of-Days-Szenarien haben Konjunktur, die Furcht vor dem Zusammenbruch der Gesellschaftsordnung ist präsent, der Goldpreis nähert sich wieder seinem Rekordhoch von 2000 US-Dollar je Feinunze. Sicherer Hafen und so.

Gewiss, die allermeisten Leute kaufen Gold mit Blick auf steigende Zinsen und Preise. Aber: Es ist zugleich eines der wenigen globalisierten Zahlungsmittel, die auch dann noch funktionieren, wenn sonst eigentlich nichts mehr funktioniert - also beispielsweise kein Strom mehr da ist, um Bitcoins zu ernähren, oder Geldscheine bloß noch bedrucktes Papier sind.

Wer ein paar 1-Unzen-Philharmoniker besitzt, hat mit Blick auf das Ende aller Tage zunächst einmal alles richtig gemacht. Der große Philharmoniker wird derzeit um plus/minus 1815 Euro das Stück verkauft, und wenn erst einmal das Licht ausgegangen ist, dann wird er wohl sehr viel mehr wert sein.

Aber wie ließen sich damit nach erfolgtem Weltuntergang Einkäufe des täglichen Bedarfs bestreiten (unter der Annahme, dass es überhaupt noch etwas einzukaufen gäbe)?

Eine Unze Feingold gegen ein Kilo Brot zu tauschen, wäre vermutlich nicht die smarteste aller Ideen (jedenfalls nicht aus Sicht desjenigen, der die Unze hat). Sinnvollerweise zwackt man also etwas ab. Nur wie? Wie teilt man einen Philharmoniker in Stücke - also, wenn man so will, in kleine Phils und Harms und Monikers? Und wie verhält es sich mit anderen Münzen aus Gold, Silber und Platin?

Wir haben uns bei der Münze Österreich nach dem richtigen Werkzeug erkundigt. Dort weist man zunächst einmal darauf hin, dass Gold im Vergleich zu anderen Metallen relativ weich und einfach zu bearbeiten sei, und es beim Teilen eines Goldstücks vor allem darauf ankomme, Goldverluste zu vermeiden. Vom Einsatz einer Flex wird abgeraten, da sie zu viel kostbaren Abfall-Späne-produziert. Okay, im End-of-Days-Szenario ist der Strom ohnehin weg, keine Flex also. "Besser geeignet ist eine Schlagschere, die sich eignet, dickere Bleche von bis zu ein Zentimeter zu schneiden. Es gibt natürlich auch hydraulische Blechscheren, wie sie etwa verwendet werden, um Unfallopfer aus Fahrzeugen zu schneiden", so Münze-Sprecherin Andrea Lang.

Womöglich hülfe auch ein wirkmächtiger Bolzenschneider - so oder so dürfte das Bearbeiten eines vergleichsweise kleinen Werkstücks mit schwerem Gerät recht angstschweißtreibend sein. Wer es aber schafft, aus dem 31,1 Gramm schweren 1-Unzen-Philharmoniker ein 1 Gramm leichtes Stück herauszuschneiden, hätte aktuell jedenfalls einen Gegenwert von nicht ganz 60 Euro.

Eine Alternative: kleinere Goldmünzen - also halbe, viertel, zehntel oder fünfundzwanzigstel Unzen. "Kleinere Philharmoniker haben die gleiche Festigkeit und Härte. Sie sind wegen der geringeren Dicke einfacher zu teilen", schreibt die Münze Österreich. Wobei der kleinste Philharmoniker (1/25 Unze, Stückpreis um die 90 Euro) nur 13 Millimeter Durchmesser hat. Eine ruhige Hand beim Filetieren wäre gerade hier von Vorteil.

Nun besteht die Welt des Edelmetallischen nicht aus Gold-Philharmonikern allein. Es gibt Dukaten, Kronen, Platinmünzen, Silbermünzen, Silbertaler. Was ist mit denen? "Dukaten, Kronen, Gulden, Platin- und Silbermünzen haben wegen deren Goldlegierung beziehungsweise der anderen Materialien eine größere Festigkeit und Härte als der Philharmoniker. Sie sind deshalb schwieriger zu teilen. Wenn schon geteilt werden soll, empfehlen wir Dukaten, die sollten leichter zerteilt werden können, weil sie etwas dünner sind."

Resümee: machbar - aber herausfordernd, solides Werkzeug, scharfe Augen, innere Gelassenheit und eine gute Waage vorausgesetzt.

Sicherheitshalber: ein Sackerl Goldstaub einlagern, wegen des Kleingelds- oder des Kleingolds, je nachdem.

Michael   Nikbakhsh

Michael Nikbakhsh

war bis Dezember 2022 stellvertretender Chefredakteur und Leiter des Wirtschaftsressorts.