WIFO erklärt: Was PVE für Spitäler leisten können
Primärversorgungseinheiten (PVE) senken die stationären Aufenthaltstage bei akut vermeidbaren Krankenhausaufenthalten – etwa bei HNO-Infektionen, Influenza oder Angina – um rund 7,5 Tage. Das zeigt eine aktuelle WIFO-Studie, die Effekte einer PVE-Eröffnung in ländlichen Gemeinden untersucht.
Dieser Rückgang ist vor allem auf kürzere Verweildauern im Spital und nicht auf weniger Einlieferungen zurückzuführen. Eine mögliche Erklärung liegt in der verbesserten ambulanten Vor- und Nachbetreuung durch die PVE.
Bei chronischen Erkrankungen reduzieren sich die stationären Tage im Krankenhaus ebenso, allerdings mit zeitlicher Verzögerung und getragen von früh eröffneten PVE. Anpassungen in den Versorgungsroutinen greifen dort erst mittelfristig – eine mögliche Erklärung ist, dass eine engere Bindung zwischen Patient:innen-Hausärzt:innen Zeit benötigt und ein Wechsel ins PVE langsam stattfindet.
Zahltag
Am Zahltag erklären Expertinnen und Experten des Wirtschaftsforschungsinstitutes (WIFO) eine Zahl, die für die österreichische Wirtschaft von Bedeutung ist.
Sie wirken damit als Koordinationsknoten an der Schnittstelle zwischen niedergelassener und stationärer Versorgung. Zugleich zeigt die Studie, dass ein bloßer Ausbau ambulanter Kapazitäten die intensive Spitalsnutzung nicht automatisch senkt. Das ist ein weiteres Argument dafür, Finanzierung, Planung und Steuerung des sektoral und föderal fragmentierten Gesundheitssystems enger zu verzahnen und bestehende Fehlanreize und Ineffizienzen zu beheben.
PVE bündeln mehrere Allgemeinmediziner:innen sowie weitere Gesundheits- und Sozialberufe an einem Standort. Sie bieten im Vergleich zu klassischen Einzelordinationen erweiterte Öffnungszeiten und oft eine umfassendere Betreuung an. Die rechtliche Grundlage schuf das Primärversorgungsgesetz 2017, und erklärtes Ziel ist es, die wohnortnahe Versorgung zu stärken und die Spitäler zu entlasten. Für den Ausbau von derzeit 116 auf den bisherigen Zielwert von 257 PVE bis 2030 braucht es weiterhin konsequente Unterstützung. Mit der Reformpartnerschaft haben sich Bund, Länder und Gemeinden nun nach einem Jahr Verhandlungen auf einen weiteren Ausbau der Primärversorgung verständigt. Langfristig soll die Zahl der PVE bis 2040 auf 600 steigen.
Manuel Zerobin
ist Ökonom in der Forschungsgruppe „Arbeitsmarktökonomie, Einkommen und soziale Sicherheit“ des WIFO tätig.