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Wissenschaft
01/08/2022

Andrew Wakefield: Der Vater aller Impfgegner

Vor 25 Jahren fälschte der britische Arzt Andrew Wakefield Daten einer winzigen Studie. Das war der Ursprung der globalisierten Impfängste, die Geburtsstunde der Antivaxxer-Bewegung – und für den Doktor der Beginn einer fabelhaften Karriere als Leitfigur der Corona-Leugner. [E-Paper]

von Alwin Schönberger

Elle Macpherson ist gegangen. Das Supermodel gab kürzlich bekannt, sich von Andrew Wakefield getrennt zu haben. Die 57-Jährige und der frühere Arzt hatten 2017 eine Beziehung begonnen und in einer Luxusvilla in Südflorida gelebt. Sonst kann sich Wakefield über mangelnde Zuneigung nicht beschweren: Die internationale Szene der Impfgegner verehrt ihn wie einen Sektenguru. Der Brite ist Anführer und Leitfigur der radikalen internationalen Antivaxxer-Bewegung – und zugleich ihr Begründer: Er hat irrationale Ängste vor Impfungen in die Welt gesetzt und befeuert sie ständig. Waren Fehlinformationen über vermeintliche Gefahren der Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln gleichsam Testlauf und Gesellenstück Wakefields, steht er heute an vorderster Front bei der serienmäßigen Produktion von Fake News gegen die Covid-19-Impfstoffe.

Zwar ist die Skepsis gegenüber Impfstoffen so alt wie das Prinzip des Impfens selbst: Bedenken gab es schon nach der Erfindung der Immunisierung gegen die Pocken Ende des 18. Jahrhunderts. Moderne Initiativen gegen das Impfen fußen unter anderem auf Zweifeln an der Sicherheit der Keuchhusten-Impfstoffe der 1970er-Jahre. Doch Wakefield ist eine andere Liga. Er hat die Angst vor dem Impfen globalisiert und professionalisiert. Auf ihn geht der inzwischen unausrottbare Irrglaube zurück, dass Impfungen nicht nur unerwünschte Nebeneffekte, sondern schwere Krankheiten auslösen können. Er hat die Menschheit erst auf die Idee gebracht, dass Impfstoffe Gift sind. Und er beweist eindrücklich, dass organisiertes Impfgegnertum, genügend Skrupellosigkeit vorausgesetzt, vor allem eines ist: ein Millionengeschäft.

Wakefields Laufbahn gleicht in vieler Hinsicht dem Muster des klassischen Scharlatans, wie er schon im Mittelalter auftrat: Mit großer Geste und viel Charisma, mit Talent zur schamlosen Lüge sowie einem guten Gespür für die Nöte und Schwächen der Menschen hielt der Scharlatan seine Opfer zum Narren und zog ihnen das Geld aus der Tasche – bis der Boden zu heiß wurde und er sein Spiel andernorts von vorn begann.

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