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Während über Asbest in Steinbrüchen debattiert wird, sind viele Dörfer in Altlasten gehüllt: Eternitplatten, eine österreichische Erfindung. Über ein Wundermaterial mit Nebenwirkungen.

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Ludwig Hatschek war begeistert. Endlich hatte er die optimale Rezeptur gefunden: neun Teile Portlandzement, ein Teil Asbestfasern. Mit Wasser verrührt, gewalzt und gepresst, erhielt Hatschek eine glatte, harte, hitzefeste, leichte und dabei hoch belastbare Platte. Er hatte ein Wundermaterial erfunden, einen Werkstoff für die Ewigkeit. Ewig wie „aeternus“. Hatschek nannte ihn Eternit. Er meldete ihn 1901 zum Patent an.

Ludwig Hatschek, der Unternehmer und Erfinder aus Linz, hatte soeben einen Baustoff entwickelt, der bald in großindustriellem Maßstab produziert und beinahe in die ganze Welt geliefert werden sollte. Was damals niemand wissen konnte: Es war zugleich ein Material, das wie kaum ein anderes über viele Jahrzehnte für gewaltige Altlasten sorgen sollte und dessen Gesundheitsgefahren sich als mindestens ebenso dauerhaft erwiesen wie dessen Beständigkeit. Grund dafür sind die darin gebundenen Asbestfasern, kaum drei Tausendstel Millimeter dick und fünf Tausendstel Millimeter lang, die sich fest in den Atemwegen verhaken, Lungengewebe zerstören und Krebs auslösen können.

Seit Jahresbeginn ist Asbest in Österreich wieder Dauerthema: Messungen in mehreren Regionen im Burgenland, in Niederösterreich und der Steiermark wiesen Asbestbelastungen nach, zum Beispiel auf Sport- und Kinderspielplätzen. In den aktuellen Fällen stammte das Material vor allem aus Steinbrüchen, in denen asbesthaltiges Gestein wie Serpentinit abgebaut und Schotter, Bausand oder Asphalt beigemischt worden war. Inzwischen streiten Behörden, Gutachter und die Umweltaktivisten von Greenpeace darüber, welche Messmethoden aussagekräftig und wie die Ergebnisse zu interpretieren sind.

Alwin Schönberger

Alwin Schönberger

leitet das Wissenschafts-Ressort.