<i><small>Cyberama von Thomas Vašek</small></i>
Der Spam, der aus dem Kühlschrank kam

Warum das "Internet der Dinge“ keine besonders gute Idee ist.

Haben Sie schon einmal Spam-Mails von einem Kühlschrank erhalten? Klingt absurd, wäre aber möglich: US-Sicherheitsexperten sind offenbar einem Botnet (eine Art Verbund von Schadsoftware) auf die Spur gekommen, das nicht nur Computer, sondern auch internetfähige Haushaltsgeräte infiziert. Das Botnet soll 100.000 Geräte - darunter Fernseher, WLAN-Router und eben ein Kühlschrank - gekapert haben, um massenhaft Betrugsmails zu verschicken. Der Angriff ist ein Vorgeschmack aufs "Internet der Dinge“, also auf eine Welt vernetzter, mit Sensoren ausgestatteter Alltagsgegenstände - vom internetfähigen Kühlschrank über die vernetzte Kaffeemaschine bis zur Zahnbürste, die mit dem Handy spricht. Die Vision geistert schon länger durch die Tech-Welt, nun könnte sie bald Realität werden. Eben erst hat Google die Nest-Labs gekauft, einen Entwickler von intelligenten Thermostaten und Rauchmeldern - für die gewaltige Summe von 3,2 Milliarden Dollar. Der Internetkonzern weiß, was er tut: Der vernetzte Haushalt birgt gigantische neue Geschäftschancen für ein Unternehmen, das von der massenhaften Analyse von Nutzerdaten lebt. Die Nest-Technologien erlauben es zum Beispiel, den Energieverbrauch im Haushalt per Internet zu steuern. Das ist zum einen eine tolle Sache, etwa im Hinblick auf Energiespareffekte. Die Kritiker hingegen fürchten, dass Google auch die Kontrolle über unser Privatleben übernimmt. Diese Befürchtungen sind vielleicht übertrieben. Die Frage ist aber, ob wir zu Hause lauter Geräte mit eigener IP-Adresse haben wollen - auf die theoretisch jeder über das Netz zugreifen kann. Ich möchte nicht, dass mein Kühlschrank mit Google kommuniziert - oder gar ohne mein Zutun Spam-Mails verschickt. Was denken Sie darüber?

thomas.vasek@profil.at