<i><small>Cyberama von Thomas Vašek</small></i>
Die Google-Hasser

Das Bashing gegen den Netzkonzern beruht auf eigenem Unvermögen.

Alle hassen Google - außer die Nutzer. Also sind es ziemlich wenige. Nämlich in erster Linie jene, die im Netz selbst nichts zustande bringen. Das sind vor allem die Europäer, allen voran die Deutschen - die Nation der Tüftler, die zwar die besten Autos baut, im digitalen Bereich aber so ziemlich alles vermasselt hat. Die Allianz der Google-Gegner reicht von Mathias Döpfner, dem Vorstandsvorsitzenden des Springer-Konzerns ("Bild“), über SPD-Chef Sigmar Gabriel bis zur deutschen Telekom. Sie alle warnen vor dem "globalen Netzmonopol“ (Döpfner) und dessen unheimlicher Macht; Gabriel hat sogar die kartellrechtliche Zerschlagung des Netzkonzerns angeregt. Noch furchterregender wirkt das Unternehmen, seit man von seinen 30 Milliarden Dollar Bargeldreserven weiß, die locker reichen würden, um die größten deutschen Medienkonzerne zu kaufen.

Beim Google-Bashing geht es um die Monopolstellung des Unternehmens, um den Datenschutz und um Google als Inbegriff des digitalen Kapitalismus, der aus Nutzerdaten Profite macht. Alle drei Kritikpunkte sind für sich genommen berechtigt. Mein Problem mit dem Bashing beginnt dort, wo Google als mythisches Feindbild herhalten muss - und als Ausrede fürs eigene Versagen. Man kann dem Netzkonzern schwerlich vorwerfen, dass er tolle Technologien entwickelt und die intelligentesten Leute beschäftigt. Genauso wenig gibt es Hinweise auf unsaubere Geschäftspraktiken. Wie es aussieht, sind die Google-Leute einfach nur schlauer als die anderen. Das ist bitter für Europas Netzversager. Aber Neid ist ein schlechter Ratgeber. Die Europäer sollten sich lieber fragen, was sie selbst im Netz besser machen und wie sie vom US-Konzern profitieren können. Vielleicht wäre es ja gar nicht so schlecht, wenn Google den einen oder anderen deutschen Medienkonzern kauft. Der alte Kampfruf "Enteignet Springer“ hätte dann eine neue Bedeutung. Wie denken Sie darüber? Bitte schreiben Sie mir unter thomas.vasek@profil.at