<i><small>Cyberama von Thomas Vašek</small></i>
Digitale ­Nervensägen

Warum wir Benimmregeln für digitale Gadgets brauchen.

Überall klingelt, piepst und brummt es. In der U-Bahn, im Büro, im Restaurant. Die einen telefonieren und simsen beim Dinner, die anderen beschallen die U-Bahn mit dem Kampflärm eines Konsolenspiels. Nicht zu vergessen jene, deren Handy minutenlang eine Westernmelodie abspielt, weil sie das verdammte Gerät mal wieder nicht finden. Natürlich ist nicht die Technik schuld. Es sind die Menschen, die offenbar nicht wissen, wie man sich im öffentlichen Raum verhält, ohne seinen Mitmenschen auf den Zeiger zu gehen. Nennen wir sie digitale Nervensägen. Jedes Kind lernt, dass man nicht mit vollem Mund spricht. Genauso sollte es selbstverständlich sein, dass man nicht auf Facebook postet, während man das Glas erhebt. Zum einen geht es darum, andere nicht zu belästigen. Zum anderen sollten wir Menschen, mit denen wir kommunizieren, die ungeteilte Aufmerksamkeit zuwenden. In beiden Fällen geht es letztlich um Respekt. Je mehr mobile Technologien den Alltag durchdringen, desto wichtiger werden soziale Konventionen, die das digitale Miteinander regeln. Eben hat Google „Benimmregeln“ für den Umgang mit seiner Datenbrille Google Glass veröffentlicht, aus guten Gründen. Die Akzeptanz der Brille wird davon abhängen, wie Menschen sie im öffentlichen Raum benutzen. Nach dem Google-Verhaltenskodex sollte man besorgten Mitmenschen die Funktionen der Brille erklären bzw. um Erlaubnis fragen, bevor man andere damit filmt. Und in bestimmten Situationen sollte man die Brille lieber absetzen, zum Beispiel bei einem romantischen Abendessen. Natürlich hat Google kommerzielles Interesse daran, dass sich die Glass-Nutzer anständig verhalten. Aber zusätzlich ist der Benimmkodex ein Schritt in die richtige Richtung. Das Motto der Aktion lässt sich auch auf den Umgang mit anderen Mobilgeräten übertragen: „Don‘t be a Glasshole.“ Wie denken Sie darüber?

thomas.vasek@profil.at