<i><small>Cyberama von Thomas Vašek</small></i>
Freiwillige Selbstkontrolle

Warum sich immer mehr Menschen selbst überwachen.

„Aura“ sieht aus wie eine futuristische Nachttischlampe. Tatsächlich handelt es sich um eine Art intelligenten Wecker, der den Schlaf überwacht. Der „Sleep Tracker“ ist via Bluetooth mit einem Sensor-Modul unter der Matratze verbunden, das kleinste Bewegungen des Schlafenden sowie dessen Atem- und Herzfrequenz registriert. Aus diesen Daten ermittelt „Aura“ den optimalen, auf die jeweilige Schlafphase abgestimmten Aufweck-Modus – von sanft und langsam bis zu schnell und brutal. Das Gerät des Herstellers Withings, eben präsentiert auf der Konsumelektronikmesse CES, gehört zur jüngsten Generation von Fitness- und Gesundheitstrackern, mit denen immer mehr Menschen ihre Vitalfunktionen und Leistungswerte kontrollieren, von der Pulsfrequenz über den Kalorienverbrauch bis zur täglichen Schrittzahl.

Besonders ambitionierte Apostel der „Quantified Self“-Bewegung posten ihre Werte auf Facebook oder vernetzen sich mit Gleichgesinnten, um ihre Daten zu diskutieren. Manche Kulturkritiker sehen darin den Ausdruck eines Selbstoptimierungswahns, der unsere Gesellschaft durchdringt. Genauer gesagt handelt es sich um Selbstüberwachung. Wer sich selbst überwacht, den muss man nicht überwachen. So betrachtet, fragt man sich, warum etwa Krankenversicherungen nicht längst Gesundheitstracker verteilen. Jeder Versicherte müsste nur seine aktuellen Daten hochladen, und die Versicherung könnte ihre Prämien entsprechend anpassen. Ähnlich könnten Ärzte auf die Echtzeitdaten ihrer Patienten zugreifen. Und die Tracking-Technologien werden sich noch erheblich weiterentwickeln, bald wird es etwa möglich sein, auch den aktuellen Gemütszustand zu messen. „Quantified Self“ bedeute mehr Freiheit und Selbstbestimmung, glauben die einen. Die anderen sehen darin die Technologie einer Kontrollgesellschaft, die uns Tag und Nacht überwacht. Wie denken Sie darüber? Bitte ­schreiben Sie mir unter:

thomas.vasek@profil.at