<i><small>Cyberama von Thomas Vašek</small></i>
Für ein digitales Vergessen

Flüchtige Affären: Wir brauchen sichere Plapper-Tools.

Menschliche Kommunikation ist meist flüchtig, und das ist gut so. Man macht einen schlechten Witz, äußert eine gewagte Meinung oder plappert einfach belangloses Zeug - und kann in der Regel davon ausgehen, dass sich kurze Zeit später ohnehin niemand mehr daran erinnert. Ohne diese Flüchtigkeit verliert Kommunikation ihren unbefangenen Charakter. Wenn alles aufgezeichnet wird, sagt man bestimmte Dinge nicht mehr. Genau deshalb unterminiert Überwachung die Meinungsfreiheit. Im Netz entsteht das Problem allerdings nicht erst dadurch, dass sich die NSA einklinkt. Es entsteht bereits durch die Vertextlichung und das Abspeichern der Kommunikation. Ein halbwegs besonnener Mensch schreibt bestimmte Dinge schon deswegen nicht per Mail, weil ihm sein Kommunikationspartner das eines Tages vorhalten könnte ("In Ihrer Mail vom … haben Sie geschrieben …“). Es gibt gute Gründe, warum wir weite Teile unserer Alltagsgespräche nicht dokumentieren. Und je mehr wir im Netz kommunizieren, je beiläufiger und unkonzentrierter wir das tun, desto dringender brauchen wir Tools, die geschützte Möglichkeiten zur flüchtigen Kommunikation bieten. Sichere End-to-End-Verschlüsselung, wie es Apple bei iMessage macht, schützt zwar vor Lauschern, für den Alltag wichtiger ist es jedoch, die Kommunikation gar nicht längerfristig zu speichern. In diese Richtung gehen Dienste wie Snapchat oder Blink, die versendete Nachrichten binnen weniger Sekunden löschen; Facebook entwickelt gerade eine ähnliche Anwendung namens Slingshot. Solche Tools bieten zwar keinen Schutz vor der NSA, aber sie genügen vielleicht, um die Unbefangenheit der alltäglichen Kommunikation zu bewahren. Man wird doch mal einen blöden Witz machen dürfen, der nicht für die Ewigkeit bestimmt ist, sondern nur für die jeweilige Situation. Wie denken Sie darüber? Bitte schreiben Sie mir unter thomas.vasek@profil.at