<i><small>Cyberama von Thomas Vašek</small></i>
Gefangen auf Facebook

Wie das Netzwerk die Nutzer an sich bindet.

Facebook nervt. Schluss mit dem Dauergelaber. Austreten, am besten sofort. Wenn man bloß wüsste, wie das geht! So oder ähnlich hört man es öfters von Facebook-Freunden. Natürlich tritt kaum einer wirklich aus. Die Kosten sind einfach zu hoch. Ein Austritt ist nicht ganz unkompliziert. Man verliert eine gewohnte, vertraute Umgebung. Wer auf eine andere Plattform wie Google+ wechselt, muss in vielerlei Hinsicht wieder neu anfangen. Man muss neue Beziehungen knüpfen, sich an eine neue Software gewöhnen, an ein neues Design. Es ist wie der Umzug in eine andere Stadt. Ökonomen nennen das eine „Lock-In“-Situation: Kunden sind an ein Produkt gebunden („locked-in“), weil ein Wechsel einfach zu teuer ist. Je höher die Wechselkosten, desto stärker die Bindung. Der Erfolg ­einer Internetplattform hängt daher wesentlich davon ab, ob es den Betreibern gelingt, eine dauerhafte Lock-in-Situation für ihre Kunden zu schaffen. Eine solche Strategie hat Microsoft mit Windows verfolgt, nicht viel anders macht es Apple mit seinem Ökosystem. Das Neue an Facebook ist, dass es eine Art sozialen Lock-in-Effekt erzeugt. Auf Facebook hat man nicht nur seine Kontakte und Fotos. Man dokumentiert auch die eigene Lebensgeschichte. Und man bekommt Anerkennung von anderen. Wer Facebook verlässt, verliert einen Teil seines sozialen Lebens – und einen Teil seines Selbst. Eben ist das Netzwerk zehn Jahre alt geworden, und es wird weiterhin versuchen, uns Nutzer mit aller Macht an sich zu fesseln. Mit neuen Apps, mit seiner Suchfunktion, mit seinem neuen Onlinemagazin „Paper“. Vor allem aber mit all den Menschen, die heute schon auf Facebook sind – und die genauso gefangen sind wie wir selbst. Wie denken Sie darüber?

thomas.vasek@profil.at