<i><small>Cyberama von Thomas Vašek</small></i>
Gott, Google & Ich

<i><small>Cyberama von Thomas Vašek</small></i>
Gott, Google & Ich

Der Suchmaschinenkonzern weiß, was wir wollen, bevor wir es selbst wissen.

Neulich fragt mich Google, ob ich mein Mail wirklich ohne Anhang verschicken will. Ich bin irritiert. Woher weiß Google, dass ich vergessen habe, ein Dokument anzuhängen? Weil ich in meinem Mail das Wörtchen „anbei“ verwendet habe, sagt Google. Daraus hat der Algorithmus messerscharf geschlossen, dass ich „anbei“ eine Anlage mitschicken wollte. Fein, denke ich mir. Google liest also fleißig meine E-Mails. Dass Google alle Mails scannt, ist zwar bekannt. Aber es braucht Momente wie diesen, die einem das bewusst machen. Kürzlich hat mir Google per Smartphone auch mitgeteilt, dass ich mich auf den Weg zum Flughafen machen soll und wie lange ich von meinem Standort aus dafür brauche. Auch die Informationen aus meinem PDF-Flugticket hat Google aus meinen Mails destilliert. Der entsprechende Dienst heißt übrigens „Google Now“, er wertet sämtliche persönlichen Daten aus, die bei der Nutzung von Google-Diensten so anfallen, etwa Suchergebnisse, E-Mail oder Google Maps, und verknüpft diese mit GPS-Informationen. Daraus ermitteln die Algorithmen, was man in einer bestimmten Situation vermutlich wissen will – und schon poppen die Informationen auf dem Smartphone auf. Man kann also sagen, dass Google weiß, was ich will, bevor ich es selber weiß. Google weiß übrigens auch, wo ich in letzter Zeit so gewesen bin. Die nette kleine Funktion heißt „Location History“ und zeigt einem auf Google Maps exakt sämtliche Strecken an, die man zurückgelegt hat. Aufgrund der „Location History“ weiß „Google Now“ natürlich auch, wo man morgen um 9 Uhr sein wird, und zwar einfach deshalb, weil man zu dieser Zeit regelmäßig an diesem Ort ist. Aber wenn Google im vorhinein weiß, was ich tun werde, dann muss ich es ja in gewissem Sinne tun. Man könnte es Vorsehung nennen. Ist Google Gott?

Wie denken Sie darüber?

thomas.vasek@profil.at