Cyberama von Thomas Vašek:
In der Glücksmaschine

Cyberama von Thomas Vašek:
In der Glücksmaschine

Sind virtuelle Welten besser als die Wirklichkeit?

Stellen Sie sich eine Art Glücksmaschine vor. Eine Maschine, die Ihnen nur positive Erlebnisse verschafft: tolle Erfolge im Job, großartige Reisen, kreative Höhenflüge, fantastischen Sex. Und was immer Sie erleben: Aus Ihrer Perspektive wäre es durch nichts von der Wirklichkeit zu unterscheiden. Tatsächlich handelt es sich jedoch nur um eine Computersimulation. Würden Sie sich auf Dauer an eine solche Maschine anstöpseln - und Ihr echtes Leben an den Nagel hängen?

Das Gedankenexperiment stammt von dem amerikanischen Philosophen Robert Nozick und ist 40 Jahre alt. Heute sind wir von Nozicks "Glücksmaschine“ nicht mehr allzu weit entfernt. Es gibt Computerspiele, in denen man das Geschehen so erlebt, als stünde man selbst mitten im Geschehen. Mit Google Street View kann man virtuell in fremden Städten herumspazieren. Bald wird es simulierten Sex geben, der genauso "gut“ ist wie echter Sex. Immer weitere Teile unseres Lebens werden in virtuellen Umgebungen stattfinden. Und bei all dem werden wir uns fragen müssen, ob wir virtuelle Erlebnisse der Wirklichkeit vorziehen sollen oder nicht. Die Frage ist nicht so leicht zu beantworten, wie es zunächst scheint. Wenn wir alles so erleben, als wäre es "echt“: Was ist dann der Unterschied zu echtem Erleben? Virtuelle Welten könnten uns sogar Erfahrungen verschaffen, die uns in der echten Welt versagt bleiben. Es geht nicht darum, ob diese Welten im physikalischen Sinn real sind. Entscheidend ist vielmehr, ob sie unser wirkliches Leben bereichern - oder ob sie es ersetzen. Überlegen Sie daher gut, bevor Sie sich an die Glücksmaschine stöpseln: Das simulierte Leben würde sich für Sie zwar vollkommen "real“ anfühlen. Doch es wäre nicht mehr Ihr eigenes Leben, sondern das eines anderen, nämlich das eines Menschen, der diese Erfahrungen in Wirklichkeit macht.

Wie denken Sie darüber? ­

thomas.vasek@profil.at