<i><small>Cyberama von Thomas Vašek</small></i>
Kommunikation mit Haken: WhatsApp wird zum Überwachungstool

<i><small>Cyberama von Thomas Vašek</small></i>
Kommunikation mit Haken: WhatsApp wird zum Überwachungstool

Eine neue Funktion macht WhatsApp zum Überwachungstool.

Zwei blaue Häkchen sorgen derzeit für Wirbel bei WhatsApp. Mit dem Symbol bekommt der Absender neuerdings automatisch angezeigt, ob und wann der Empfänger die Nachricht gelesen hat. Das klingt zunächst harmlos, ja sogar nützlich. Schließlich möchte man als Nutzer wissen, ob eine verschickte Nachricht auch angekommen ist. Die neue Funktion hat allerdings fatale Auswirkungen aufs Kommunikationsverhalten. Nun kann man sich nicht mehr darauf ausreden, dass man eine Nachricht "nicht gesehen“ hat. Die Lesebestätigung zwingt den Empfänger praktisch dazu, möglichst sofort zu antworten. Das liegt nicht nur im Interesse misstrauischer Partner, sondern auch in jenem von Arbeitgebern, die ihre Mitarbeiter kontrollieren wollen. WhatsApp wird damit zum Überwachungsinstrument. Wer auf seine Nachrichten nicht umgehend reagiert, wird sich in Zukunft dafür rechtfertigen müssen. Das ist zumindest ein mittelbarer Eingriff in die Privatsphäre. Es gibt kein Recht des Senders, zu wissen, ob und wann der Empfänger eine Nachricht gelesen hat. Der Empfänger hat vielmehr das Recht, auf Mitteilungen einfach nicht zu reagieren, ja sogar so zu tun, als hätte er die Nachricht gar nicht gesehen.

In Zeiten der Nachrichtenflut ist das ein wesentlicher Vorteil asynchroner Kommunikation. Die neue WhatsApp-Funktion ist nichts anderes als ein Mittel, Kommunikationspartner unter Druck zu setzen. Der Dienst täte gut daran, die zwei blauen Häkchen wieder zurückzunehmen. Wir brauchen keine Apps, die neue Regeln schaffen, wie wir miteinander zu kommunizieren haben.

Wie denken Sie darüber? ­

thomas.vasek@profil.at