<i><small>Cyberama von Thomas Vašek</small></i>
Lesen oder Zocken?

Warum man aus Computerspielen mehr lernen kann als aus Büchern.

„Spielen macht klug“, titelte der „Spiegel“ vergangene Woche. „Was für eine Provokation für viele Eltern und Pädagogen, die Computerspiele für Teufelszeug halten! Computerspiele verblöden und animieren womöglich zur Gewalt“, sagen die Kritiker, Niemand hätte solche Bedenken bei Kindern, die nächtelang Bücher lesen. Bücher vermitteln schließlich Bildung, im Fall von Sachbüchern. Oder sie fördern die Imagination, im Fall von Belletristik. Aber was hat man von Computerspielen? Was ist „World of Warcraft“ gegen Kants „Kritik der reinen Vernunft“, „Grand Theft Auto 5“ gegen Shakespeare? Die Antwort lautet, dass schon der Vergleich unstatthaft ist. Computerspiele haben nichts oder wenig mit Büchern zu tun. Allerdings konkurrieren beide um Zeit und Aufmerksamkeit. Man kann sich also fragen, womit man die Zeit besser nützt – mit Lesen oder Zocken?

Computerspiele vermitteln meist weder theoretisches Wissen noch ästhetische Erfahrung. Sie fördern etwas ganz anderes: Entscheidungen treffen, Probleme lösen, Kooperation mit anderen. Selbst in vielen Egoshootern geht es weniger ums Töten, als vielmehr darum, die Geschicklichkeit zu verbessern. Computerspiele sind eine Art Crashkurs für die Welt, in der wir leben. Natürlich brauchen wir auch noch andere, subtilere Fähigkeiten und Erfahrungen. Sicher brauchen Kinder Bücher, die Wissen vermitteln und die Fantasie fördern. Sie brauchen aber auch Computerspiele, um ihre kognitiven Fähigkeiten zu trainieren. Man sollte Computerspiele zwar nicht gegen Bücher ausspielen. Aber aus einem richtig guten Spiel, behaupte ich, lernt man mehr als aus einem richtig schlechten Buch. Insofern wäre es natürlich am besten, nur gute Bücher zu lesen – und nur gute Spiele zu spielen. Das wäre auch nicht das Schlechteste für Eltern und Pädagogen. Wie denken Sie darüber? Bitte ­schreiben Sie mir unter:

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