<i><small>Cyberama von Thomas Vašek</small></i>
Plapperschlange

Warum WhatsApp seit der Facebook-Übernahme die Nutzer davonlaufen.

19 Milliarden Dollar. So viel hat Facebook für den Messaging-Dienst WhatsApp bezahlt – für eine App, mit der man im Wesentlichen Kurznachrichten und Fotos verschicken kann. Ob der Deal Facebook gut bekommt, wird sich zeigen. Die 19 Milliarden sind das eine. Das andere ist: Viele WhatsApp-Nutzer misstrauen offenbar dem neuen Eigentümer und wechseln nun zu anderen Anbietern. Hinter dem WhatsApp-Phänomen steht ein relativ neuer Trend zur schnellen Kommunikation abseits der großen Netzplattformen. Vor allem junge Menschen wollen sich oft nur schnell mit anderen verabreden oder mit ihren Freunden chatten, ohne dass ihnen auf Facebook die Erwachsenen über die Schulter schauen. Für diese Zwecke ist SMS zu teuer, E-Mail zu lahm. Das WhatsApp-Geplapper befriedigt offenbar Bedürfnisse: Die 450 Millionen Nutzer waren bislang sogar bereit, haarsträubende Sicherheitsmängel und Datenschutzprobleme hinzunehmen. Mit der Facebook-Übernahme könnte sich das ändern. Viele WhatsApp-Nutzer fürchten nun, dass der neue Eigentümer ihre Daten auswerten könnte – auch wenn Mark Zuckerberg versprochen hat, das nicht zu tun. Was Facebook wohl unterschätzt: Zu WhatsApp gibt es brauchbare Alternativen, wie etwa Threema oder TextSecure, die eine End-to-End-Verschlüsselung anbieten, bei der auch der Dienstbetreiber nicht mitlesen kann. Facebook funktioniert heute wie eine Art Dorfplatz, da kann man nicht mehr unbehelligt kommunizieren. Umso intimer und freizügiger geht es auf WhatsApp & Co. zu. Insofern kann man verstehen, dass die Nutzer auf die Übernahme durch Facebook allergisch reagieren. Bisher war WhatsApp ein praktisches, kostengünstiges Messaging-Tool. In den Händen von Facebook ist es womöglich ein mächtiges Instrument, um noch präzisere Nutzerprofile zu erstellen. Die 19 Milliarden müssen sich ja rechnen. Wie denken sie darüber? Bitte schreiben Sie mir:

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