<i><small>Cyberama von Thomas Vašek</small></i>
Requiem in i-Moll

<i><small>Cyberama von Thomas Vašek</small></i>
Requiem in i-Moll

Warum Apple den eingestellten iPod Classic wiederbeleben sollte.

Apple hat den iPod Classic aus dem Programm genommen. Ein neues Modell zu entwickeln, habe sich nicht mehr gelohnt, erklärte Apple-Chef Tim Cook. Zuletzt seien nicht einmal mehr die nötigen Teile für das Gerät aufzutreiben gewesen. Eine bittere Stunde für die eingefleischten Classic-Fans, meist etwas ältere Semester, die ihre Musik lieber ganz altmodisch auf einer 128-GB-Festplatte herumtragen, als sie aus dem Internet zu streamen. Gegenüber einem iPod Touch wirkt der Musikspieler mit seinem legendären Clickwheel zwar antiquiert. Doch der iPod Classic ist bis heute nicht nur eine Gadget-Ikone, sondern auch ein Lehrstück der Innovation. Als ­Steve Jobs im Oktober 2001 das erste Modell vorstellte, waren die Branchenanalysten wenig begeistert. Man hielt den Classic allenfalls für eine nette Ergänzung zum Macintosh. Jobs hingegen dachte schon weiter. Der iPod war für ihn nur der Beginn einer neuen Ära von tragbaren Computern, die Jahre später das iPhone und das iPad hervorbringen sollte. Portable Musikspieler gab es schon damals, in den 1990er-Jahren do­minierten allerdings noch die klobigen CD-Player. Der Durch­bruch der MP3-Player kam mit dem iPod. Dank eingebauter Festplatte konnte man auf dem Gerät bis zu 1000 Songs speichern, zugleich ließ sich der Classic mit dem Klickrad genial einfach bedienen. Und mit iTunes hatte man ein Programm zum bequemen Abspielen, Organisieren und Kaufen von Musik – eine digitale Musikbibliothek, die sich zwischen iPod und Mac synchronisieren ließ. Bis heute vereint der iPod Classic alle Qualitäten, für die Apple steht, von der einfachen Bedienung über das Design bis zum Ökosystem drumherum. Deshalb sollte Apple seine einstige Ikone wiederbeleben. Für Klickrad-Fans, Strea­m­ing-Verweigerer und alle anderen digitalen Nostalgiker. Für Leute wie mich.

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thomas.vasek@profil.at