<i><small>Cyberama von Thomas Vašek</small></i>
Shopping-Cyborgs

Wie der weltgrößte Online-Händler Amazon das Einkaufen verändern will.

Shopping ist ein herrliches Vergnügen, einerseits. Man flaniert durch die Straßen, entdeckt etwas im Schaufenster, redet mit Verkäufern. Man kann die Produkte betrachten, anfassen und mit anderen vergleichen, ob es sich nun um ein Handy handelt oder eine Rolle Klopapier. Die Kehrseite ist: Am Ende schleppt man riesige Tüten nach Hause und weiß nicht, ob man die Produkte nicht anderswo viel günstiger bekommen hätte. Zum Beispiel bei Amazon. Der weltgrößte Online-Händler will nun die Vorteile der analogen wie der digitalen Shopping-Welt miteinander verbinden. Die Amazon-App „Flow“ könnte die Art, wie wir einkaufen, radikal verändern: Man geht in irgendein Geschäft, hält die Smartphone-Kamera vor ein Produkt – und bekommt die entsprechende Seite bei Amazon angezeigt, wo man die Ware gleich bestellen kann. Die App braucht dazu keinen Barcode, sondern erkennt die Produkte anhand ihres Erscheinungsbildes. Analog „shoppen“, digital kaufen – diese Praxis ist als solche nicht neu. Sie nennt sich „Showrooming“: Traditionelle Läden werden zur Ausstellungsfläche, wo man sich Produkte nur noch anschaut. Gekauft wird dann online, wo es am billigsten ist. Das Neue an „Flow“ besteht allerdings darin, diesen Vorgang zu vereinfachen. Amazon nutzt damit den analogen Handel als eine Art Schaufenster fürs eigene Geschäft, ohne dafür zu bezahlen. Das ist einerseits unfair. Andererseits schafft die „Flow“-App auch mehr Wettbewerb, weil sie unmittelbare Preisvergleiche ermöglicht. Die Geschäftsbesitzer allerdings werden es wohl nicht witzig finden, wenn vermeintliche Käufer ihr Angebot mit der Amazon-App abscannen. Man wird schwerlich Smartphones in Geschäften verbieten können. Aber womöglich gibt es eine marktwirtschaftliche Lösung: Die Geschäfte könnten von potenziellen Kunden Eintritt verlangen – also einen Preis fürs bloße Shopping-Schauvergnügen. Wie denken Sie darüber?

thomas.vasek@profil.at