© Stefanie Füssenich

Wissenschaft
12/18/2016

Heideggers iPhone

Warum digitale Technologien für die Menschen da sind.

Manchmal frage ich mich, was der Philosoph Martin Heidegger wohl zu Smartphones gesagt hätte. Vermutlich hätte er sie für eine Ausgeburt der "Machenschaft“ gehalten, jenes "rechnenden Denkens“, das die Welt immer tiefer in die Seinsverlassenheit treibt. Heute wissen wir, dass Heidegger ein Nazi und Antisemit war. Dennoch kann man sich fragen, ob er mit dem "rechnenden Denken“ nicht doch irgendwie recht hatte: Ist es nicht heute überall vorherrschend? Reduzieren uns die Algorithmen von Google nicht immer mehr auf bloße Datenströme? Die digitalen Technologien erzeugen bei vielen Menschen Unbehagen. Man denkt an die Macht von Google, Facebook & Co., an die Aushöhlung der Privatsphäre, an Big Data und an Roboter, die unsere Jobs bedrohen. Viele dieser Befürchtungen sind berechtigt. Dabei machen wir uns jedoch oft zu wenig bewusst, welche Möglichkeiten die digitalen Technologien geschaffen haben. Diese Möglichkeiten drohen uns manchmal zu überfordern.

Digitale Technologien sind für die Menschen da - und nicht umgekehrt.

Aber zunächst einmal sind es Möglichkeiten, die wir nutzen können oder eben nicht. Die Technik ist kein übermächtiges "Seinsgeschick“, das uns in den Untergang führt, wie Heidegger uns weismachen wollte. Wir können lernen, mit den neuen Technologien umzugehen - und die Kontrolle über sie zurückzugewinnen. Von dieser Hoffnung war meine Cyberama-Kolumne in den vergangenen fünf Jahren getragen. Digitale Technologien sind für die Menschen da - und nicht umgekehrt. Sie können zu einem gelingenden Leben beitragen. Aber leben müssen wir dieses Leben selbst, ob auf Facebook oder sonst wo. An dieser Stelle möchte ich mich von Ihnen verabschieden; dies ist meine letzte Cyberama-Kolumne. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und Ihre zahllosen Zuschriften. Wie denken Sie darüber? Bitte schreiben Sie mir doch noch einmal unter [email protected]

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