Eine erkältete Frau inmitten von Taschentüchern, Teetassen und Medikamenten
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Mythos Verkühlung: Warum uns Kälte allein nicht krank macht

Kaltes Winterwetter verursacht keine Erkältung: Es sind immer Viren im Spiel, die bei Kälte aber leichter die Oberhand gewinnen.

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Unwirtlich ist es draußen, kalt, nebelig und feucht. Die Kälte kriecht unbarmherzig in jede Pore des Körpers, könnte man meinen. Daher: warm anziehen, damit wir uns nicht verkühlen! Die Überzeugung, Kälte mache krank, indem sie eine „Erkältung“ auslöse, ist alt und nicht aus der Welt zu schaffen. Seit Generationen warnen besorgte Großmütter vor der Gefahr einer Verkühlung bei frostigem Winterwetter. Doch der vermeintliche Zusammenhang zwischen Kälte und Erkältung ist hauptsächlich Folklore.

Soeben hat das Medizinportal Medscape dargelegt, was es mit der populären Annahme auf sich hat: ziemlich wenig. Kälte allein macht nicht krank, wie auch Studien über die Zeit immer wieder zeigten. Wenn wir an Schnupfen, Husten, Halsweh und ganzheitlicher Abgeschlagenheit leiden, liegt dies nie lediglich daran, dass wir uns unterkühlt haben.

Statt dessen ist immer auch eine Virusinfektion im Spiel. Im Winter handelt es sich dabei typischerweise um lästige, aber harmlose Infektionen mit Rhinoviren oder Adenoviren. Auch mehrere Coronaviren können klassische Erkältungssymptome auslösen. Dazu zählen einige um lange bekannte und relativ milde Erreger – im Gegensatz zu den drei weniger harmlosen Vertretern dieser Virengruppe, in die auch SARS-CoV-2 fällt.

Kein Schnupfen ohne Virus

Ohne Virus keine Erkältung, die sogenannte Nasopharyngitis, der lästige Komplex aus Husten, Schnupfen, Heiserkeit. Allerdings: Das kalte Winterwetter kann Infektionen mit saisonal vermehrt auftretenden Erregern aus mehreren Gründen wahrscheinlicher machen.

Zum einen liegt dies schlicht daran, dass sich die Menschen im Winter häufiger im Inneren drängen und sich in schlecht belüfteten, aber gut beheizten Räumen drängen. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, mit Viren in Kontakt zu geraten – über Tröpfchen in der Atemluft, winzige Partikel in der Raumluft, die Aerosole, sowie kontaminierte Oberflächen.

Die trockene Heizungsluft begünstigt Ansteckungen ebenfalls: unter anderem dadurch, dass die Schleimhäute, die erste Barriere gegen Erreger aller Art, Viruspartikel weniger effizient umschließen und abtransportieren – wodurch das Infektionsrisiko steigt. Trockene Luft beeinträchtigt somit die Schutzfunktion der Schleimhäute. Untersuchungen zeigen weiters aber auch, dass sich manche Viren bei trockenem Klima länger in der Raumluft und Oberflächen halten und auch länger infektiös sind.

Kälte dämpft das Immunsystem

Doch auch innerhalb des Körpers scheinen sich Rhinoviren, die gemeinen Schnupfen auslösen, bei trockener, kühler Luft anders zu verhalten: Die Erreger vermehren sich in den oberen Atemwegen besser, die Immunantwort dürfte bei niedrigeren Temperaturen hingegen herabgesetzt sein.

Anderer Studien zeigten bereits in der Vergangenheit, dass Viren leichter die Oberhand gewinnen, wenn der Körper auskühlt und schlechter durchblutet ist – denn parallel dazu sinkt auch die Mobilität und Einsatzfreude der Immunzellen, die im Blut zirkulieren. Was wiederum bedeutet: Sportliche Betätigung und Bewegung helfen besonders im Winter, das Immunsystem auf Trab zu halten und Erkältungskrankheiten vorzubeugen.

Praktisch keinen Effekt hat indes, wie ebenfalls Medscape kürzlich berichtete, die zusätzliche Verabreichung von Vitamin C: Große Studien zeigen, dass die Einnahme von Vitaminpillen praktisch keinen Effekt auf Infektionshäufigkeit und Krankheitsdauer hat.   

Alwin Schönberger

Alwin Schönberger

leitet das Wissenschafts-Ressort.