Mark Zuckerberg setzt eine braune Brille auf.
Bild anzeigen
Wählen Sie profil als bevorzugte Google-Quelle

Verbotene Blicke ins Schlafzimmer: Datenskandal um smarte Brillen

Empörung über Multimedia-Brillen des Facebook-Konzerns Meta: Werden intime Bilder der Anwender missbraucht?

Drucken

Schriftgröße

Hören Sie sich diesen Artikel an

Es war eine böse Überraschung für die junge Britin: Plötzlich sah sie sich auf Tiktok, spärlich mit einem Strand-Outfit bekleidet. Das Video verzeichnete mehr als eine Million Aufrufe und eine Menge Kommentare, viele davon gehässig oder sexistisch. Die Frau musste erst nachdenken, woher das Bildmaterial stammte, das ohne ihr Wissen den Weg in soziale Medien gefunden hatte. Schließlich fiel ihr ein: Vor ein paar Tagen hatte sie ein Mann am Strand angesprochen und nach ihrer Telefonnummer gefragt. Ein Handy hatte sie nicht bemerkt, doch sie erinnerte sich an die auffällige Sonnenbrille, die er getragen hatte. Darin, vermutete sie nun, musste eine Kamera verborgen gewesen sein.

Ähnliche Vorfälle häuften sich in den vergangenen Monaten. Sie alle betrafen junge Frauen, die im Freien oder in Bars von männlichen Brillenträgern angesprochen wurden. Und stets landeten später ungefragt Videoclips der jeweiligen Szene auf Social Media.

Zuletzt sorgten solche Multimedia-Brillen allerdings aus einem anderen Grund für Aufruhr: Modelle des Facebook-Mutterkonzerns Meta gerieten in Verdacht, Bilder und Videos der eigenen Anwender missbräuchlicher Verwendung zuführen – und damit Persönlichkeitsrechte zu verletzen.

Fragwürdiger Datenfluss

Auslöser der Aufregung waren Berichte einer kenianischen Investigativjournalistin, die in Kooperation mit den schwedischen Zeitungen „Svenska Dagbladet“ und „Göteborgs-Posten“ eine bemerkenswerte Praxis enthüllte: Besitzer sogenannter „Smart Glasses“, die auf Meta-Technologie beruhen, müssen damit rechnen, dass heikle und intime Daten aus ihren Brillen an ein Softwareunternehmen in Nairobi übermittelt und dort von Mitarbeitern gesichtet werden.

Die Mitarbeiter erzählten von Aufnahmen nackter Personen, von Einblicken in Badezimmer und Toiletten sowie von abgefilmten Kreditkarten, deren Ziffern klar erkennbar waren.

Wie konnte es zu solch ungebetenem Eindringen in die Privatsphäre kommen? Was haben Videos europäischer Anwender bei einer kenianischen Firma verloren? Und worum genau handelt es sich überhaupt bei Smart Glasses, wie sie Meta anbietet?

Alwin Schönberger

Alwin Schönberger

leitet das Wissenschafts-Ressort.