Wie Pegida-Demonstranten mit der Presse umgehen

"Willst an Tritt in die Kamera haben", fragt der Vermummte rechts

"Willst an Tritt in die Kamera haben", fragt der Vermummte rechts

Wie ruppig ging es gestern auf der Pegida-Demo in Wien zu? Unsere Redakteurin war vor Ort und liefert einen Augenzeugenbericht von gewaltbereiten Hooligans.

Die Geschichte beginnt mit ein paar obszönen Bewegungen. Ich war gerade zum Pegida-Aufmarsch in der Wiener Innenstadt gekommen, vorbei an den Gegendemonstranten, vorbei an den Polizisten mit weißen Schutzhelmen. Da fiel mein Blick auf ein paar vermummte rechtsradikale Hooligans, die sich rund um den Brunnen auf der Freyung positioniert hatten und ganz bewusst die Aufmerksamkeit der Presse erregten.

Einer hatte beide Hände erhoben und zeigte den Stinkefinger. Dazu machte er unmissverständliche Beckenbewegungen.

Ein skurriler Anblick. Etliche Fotografen und ich machten Aufnahmen von ihm. Der Mann mit der Tarnhose schrie einen Fotografen an: „Willst an Tritt in die Kamera haben?“


Willst meine Fahne sehen? Ich zeige dir meine Fahne

Sein Kumpel begann, sich die Hose zu öffnen. Er rief: „Willst meine Fahne sehen? Ich zeige dir meine Fahne.“ Die Fotografen und ich waren sichtbar erleichtert, als er dann doch die Hose zuließ.

Auf einmal wurde den Demonstranten signalisiert, sie könnten nun ihren Spaziergang durch die Wiener Innenstadt beginnen. „Wir sind das Volk! Wir sind das Volk!“, lärmte die Masse.

Ich ging ein paar Meter nach vorne, dieselbe Hooligan-Gruppe war nicht weit von mir entfernt. Mir fiel auf, wie einer von ihnen immer wieder die Hand zum Hitlergruß erhob.

Zuerst wollte ich ein Foto von ihm machen, doch meine Sicht war verdeckt. Daraufhin begann ich, darüber auf Twitter zu berichten.

Ein komplett schwarz Vermummter aus der Gruppe, vom Gesicht war fast nur noch die Nase sichtbar, sah mich. Er kam wuterregt auf mich zu. „Was machst du da?“, fuhr er mich an, „Geh weg! Weg mit dir!“

Er schubste mich. Ich ging ein paar Meter weg. Er drängte mich weiter weg.

Ich weiß nicht, ob „Furcht“ das richtige Wort für diese Situation war. Aber es war mir unheimlich – der Vermummte schien aggressiv, Widerstand hätte vermutlich zu Gewalt geführt. Also ließ ich mich von ihm bis an den Rand drängen, wo dann die Polizei stand. Mein Blick auf ihn und die Hooligans war versperrt.

Als ich einen Polizist auf den Vorfall ansprach, den Hitlergruß und das Weggedrängt-Werden, sagte er sinngemäß: Schubsen ist noch kein Problem.

Etwas später machte der Kurier-Fotograf Jürg Christandl dieses Foto:

Wenige Minuten nach diesem Vorfall, begannen einige Demo-Besucher laut „Lügenpresse! Lügenpresse!“ zu rufen. Hier ein Video davon:

Es war eine aufwühlende, turbulente Stunde, in der sich all das ereignete. Zuerst wurde ich als Journalistin tatkräftig behindert, eine Demo zu beobachten und Rechtsradikale zu fotografieren. Dann bezeichneten die Demonstranten den gesamten Berufsstand als „Lügenpresse! Lügenpresse!“. Für mich hat das schon etwas Beunruhigendes.