US-Präsident Donald Trump vor dem Mount Rushmore mit den aus dem Stein gehauenen Präsidenten Washington, Jefferson, Roosevelt und Lincoln
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Warum wir die Vereinigten Staaten von Amerika trotzdem lieben

Im Moment sieht es nicht danach aus, aber die USA, die am 4. Juli ihren 250. Geburtstag feiern, stehen immer noch für das Recht auf „Leben, Freiheit und das Streben nach Glück“.

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Wer im Juli des Jahres 2026 sagt, „Ich liebe die USA“, muss naiv sein, mit Blindheit geschlagen, oder im schlimmsten Fall gewissenlos. US-Streitkräfte bombardieren Boote in der Karibik und töten deren Besatzung – auf den bloßen Verdacht hin, es handle sich um Drogenschmuggler (und selbst wenn sich der Verdacht bewahrheitete, bliebe es ein Verbrechen). US-Präsident Donald Trump dezimierte per präsidentieller Verordnung die Mittel für Entwicklungshilfe. Die US-Einwanderungsbehörde ICE verhaftet Massen unbescholtener Einwanderer, hält sie ohne Anhörung und rechtlichen Beistand wochenlang fest und schiebt sie ohne richterliches Verfahren ab. Die US-Regierung bedroht Medien mit Entzug der Lizenz, weil ihnen die satirischen Kommentare eines Late-Night-Comedian nicht passen … „Liebe“ ist da denkbar unangebracht, und dass die USA an diesem 4. Juli den 250. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit feiern, ändert daran überhaupt nichts.

Oder kann es gute Gründe geben, die USA zu lieben, trotz allem, was jetzt gerade an Scheußlichem vor sich geht und was in der Vergangenheit an Üblem geschehen ist? Amerika ist ein verdammt großes Land, und ein Vierteljahrtausend ein verdammt mächtiges Stück Geschichte. Wo soll man da mit den Überlegungen beginnen?

Vielleicht an einem weit abgelegenen Ort, der auf den ersten Blick gar nichts mit Amerika zu tun hat: in Nsukka, einer Stadt im Südosten Nigerias. Hier wuchs in den späten 1970er- und 1980er- Jahren ein Mädchen auf, dem seine Eltern den Vornamen Chimamanda gaben. Aus der Sprache Igbo übersetzt bedeutet das: Mein Geist wird niemals gebrochen werden. Chimamanda durchlebte in ihrer Jugend Phasen der Diktatur und der beginnenden Demokratie in ihrem Land. Später erzählte sie, dass ihr damals das ferne, unbekannte Amerika immer als etwas Erstrebenswertes erschienen war. Mit 19 gelangte sie schließlich zum ersten Mal in das mythisch verklärte Amerika und stieß dort auf eine Realität, die sich deutlich von den Erwartungen unterschied. Die junge Frau erlebte, welche Bedeutung „Race“ in den USA bis heute hat und mit welchen Vorurteilen afrikanische Frauen konfrontiert sind.

Robert Treichler

Robert Treichler

Ressortleitung Ausland, stellvertretender Chefredakteur.