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© APA/AFP/GETTY IMAGES/Samuel Corum / Samuel Corum

profil-Morgenpost
01/20/2021

Wer hat hier einen Vogel?

Das Ende ist der Anfang: Über Joe Biden, Donald Trump und die Wintervogelzählung.

von Philip Dulle

Können Sie sich noch an die Nacht der US-Präsidentschaftswahl 2016 erinnern, an die Stunden und Minuten, in denen immer klarer wurde (danke für die Schockmomente, election needle!), dass der New Yorker Reality-TV-Star und Unternehmer Donald „You're fired!“ Trump gegen die frühere Außenministerin und First Lady Hillary Clinton gewonnen hatte? Ich war damals gerade in Karenz und hätte mich, ehrlich gesagt, gerne mit Arbeit abgelenkt und zugedeckt, hatte aber aus guten Gründen eine unschlagbar gute Ablenkung. An ausreichend Schlaf war in den Tagen und Wochen nach der Wahl nicht zu denken.

Heute, vier Jahre und zwei Monate später, wird der frühere Vizepräsident Joe Biden (ein ausführliches Porträt lesen Sie hier), frische 78, auf den Stufen vor dem Westportal des Kapitols als 46. Präsident der Vereinigten Staaten angelobt (profil berichtet live). An seiner Seite: die neue Vizepräsidentin Kamala Harrisdie erste Frau und erste Woman of Colour in dieser Position. Die Trump-Präsidentschaft endete mit dem Sturm auf das Kapitol am 6. Jänner so, wie es wohl kommen musste. „Der letzte Akt“ schrieb profil in der Vorwoche über die Schüsse, die Angst, das Chaos und den Terror in Washington. Trump hatte zuvor vor Tausenden Anhängern gesprochen und gesagt, er werde diese „geschobene Wahl niemals anerkennen“, und „später werden wir runtergehen zum Kapitol und unseren tapferen Senatoren und Kongressabgeordneten zujubeln“.

Es waren erschreckende Bilder, die den endgültigen Absturz des 45. Präsidenten der USA in die Abgründe des Fanatismus und des Irrsinns illustrierten – und zwei Tage später dazu führten, dass der (mehr oder weniger private) Twitter-Account @realDonaldTrump, mit fast 89 Millionen Followern Trumps wichtigstes Sprachrohr, dauerhaft gesperrt wurde. Der drastische Schritt des kalifornischen Unternehmens wurde von vielen KommentatorInnen bejubelt. profil-Redakteur Robert Treichler (908 Follower, seit 2015 bei Twitter) hat hingegen starke Bedenken, wie Sie im aktuellen profil (hier geht’s zum Probeabo) unter dem Titel „Mach es wie die Taliban!“ nachlesen können. Denn: „Dass Trump und QAnon ins Fadenkreuz geraten, andere hingegen nicht, folgt nicht logisch aus den Buchstaben der Twitter-Gesetze, sondern entspringt der Beliebigkeit der aktuellen politischen Interessenlage.“ So oder so: Die Inauguration wird – in Abwesenheit von Trump – zum Hochsicherheitsevent.

Zum Schluss möchte ich Ihnen noch ein Interview meiner Kollegin Franziska Dzugan aus dem Wissenschaftsressort ans Herz legen. Es geht um Meise, Gimpel und Bergfink – und die Frage, warum sich heuer so viele Menschen an der Wintervogelzählung beteiligten wie noch nie. Ich lerne: Amseln und Grünfinken leiden seit Jahren unter Schädlingen und Krankheiten; die Bestände von Feldvögeln wie Kiebitzen, Rebhühnern und Feldlerchen sind in den letzten zwei Jahrzehnten um 40 Prozent eingebrochen. Die Gründe: fehlender Lebensraum und zu wenig Nahrung, so der Ornithologe Norbert Teufelbauer im profil-Gespräch. Wichtige Frage: Wie kann man Vögel im eigenen Garten unterstützen? „Einerseits natürlich durch Fütterung“, sagt Teufelbauer. Aber das sei nur ein kleiner Teil. Merke: „Englischer Rasen ist hübsch, aber kein Lebensraum für Vögel und Insekten.“

Dazu passt ein Zitat des antiken römischen Politikers und Philosophen Cicero: „Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen“. Wenn doch nur alles so einfach wäre!

Alles wird gut.

Philip Dulle

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