Dubai-Influencer im Hintergrund, eine Rauchwolke auf der Stadt im Vordergrund
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Wie Dubai-Influencer die iranischen Raketenangriffe auf die Emirate schönreden

Halbwegs sicher ist es in Dubai nur, wenn man es sich leisten kann. Das zeigen auch schöngefärbte Influencer-Videos nach dem iranischen Angriff.

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Infinity-Pools, Wüstensafaris und Yachten. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), allen voran Dubai, inszenieren sich seit Jahren als Hotspot für neureiche Influencer, Tech-Bros und Reality-TV-Stars. Während der Corona-Lockdowns zogen Menschen, die keine Einschränkungen wollten, in die Emirate – einen flächendeckenden Lockdown gab es hier nicht. Was es in Dubai ebenfalls nicht gibt, sind Einkommenssteuern. 

Nach dem Angriff der USA und Israels auf den Iran gerieten auch die Vereinigten Arabischen Emirate unter Beschuss: Laut offiziellen Angaben wurden 165 ballistische Raketen und 541 Drohnen aus dem Iran auf emiratisches Gebiet abgefeuert, unter anderem auf US-Militärbasen, den Flughafen in Dubai und ein Luxushotel auf der künstlichen Insel Palm Jumeirah. Zwei Menschen sollen getötet worden sein, der Flugverkehr wurde Großteils eingestellt oder stark eingeschränkt. Langsam wird er jedoch wieder aufgenommen.

Das österreichische Außenministerium registriert derzeit 1.700 Österreicherinnen und Österreicher in den Emiraten, 17.700 im gesamten Krisengebiet. 

Unterschiedliche Wahrnehmungen

Videos aus den Emiraten mit Erfahrungsberichten fluten die Sozialen Medien. Darunter auch die des österreichischen Rappers Raf Camora. Er ließ seine Follower am Sonntag wissen, er und seine Verlobte hätten sich während der Angriffe „mitten im Geschehen“ befunden, seien nun aber in Sicherheit. Raf Camoras Management teilte profil auf Anfrage mit, dass man gerade mit Hochdruck damit beschäftigt sei, eine Rückreise zu organisieren und hoffe, der Rapper könne in den kommenden Tagen wieder zurück nach Österreich.

Wer sich ebenfalls mitten im Geschehen befand, ist der österreichische Reality-TV-Star und Unternehmer Walter Temmer. Im Gegensatz zu Raf Camora macht er sich jedoch keine Sorgen: „Ich glaube persönlich, dass die Wahrscheinlichkeit, dass du im Straßenverkehr in Berlin verunglückst, hundertmal höher ist, als dass dich in Dubai eine Rakete trifft“, sagt er profil am Telefon. Medienberichten zufolge dürften die Straßen in den Emiraten deutlich gefährlicher sein: 2025 sollen pro einer Million Einwohner 35 Menschen in Dubai im Straßenverkehr gestorben sein – also dreimal mehr als in Berlin.

Temmers Frau und er urlauben gerade in Dubai – geplant ist es, dass sie kommenden Freitag zurück nach Österreich fliegen. Sollte der Flugverkehr bis dahin unterbrochen sein, bleiben sie in den Emiraten. Den Angriff auf das Hotel Burj Al Arab haben sie direkt aus dem Hotelzimmer gesehen: „Die Leute im Hotel hatten aber gar keine Angst und waren entspannt.“

Walter Temmer in Dubai
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„Die Wahrscheinlichkeit, dass du im Straßenverkehr in Berlin verunglückst, ist hundertmal höher, als dass dich in Dubai eine Rakete trifft“,

behauptet Walter Temmer.

Relativ entspannt ist auch die 18-jährige deutsche Influencerin Julia, die seit 2024 mit ihrer Familie in einer Gated-Community-Siedlung am Stadtrand von Dubai lebt. Während die ersten Raketen einschlugen, war sie mit ihrer Familie gerade am Palm Beach – also direkt im Geschehen. „Wir haben in den Himmel geschaut und eine Rauchwolke gesehen. Kurz danach kam plötzlich die zweite“, erzählt sie profil. In einen Luftschutzbunker mussten Julia und ihre Eltern nicht, seit dem Angriff sind sie zuhause. Sie arbeitet jetzt im Homeoffice, ihr Büro musste sie zurücklassen.

Auf TikTok und Instagram teilte sie ein Video, in dem sie zuerst sich selbst filmte, mit der Bildunterschrift: „Du lebst in Dubai, hast du gar keine Angst?“ Im Anschluss folgt ein Zusammenschnitt mehrerer Scheichs, die in traditioneller Kleidung in Zeitlupe durch das Bild schreiten, untermalt von epischer Musik. Darunter der Text mit dem Text: „Nein, weil ich weiß, wer mich beschützt.“ 

Viele User kommentierten unter Julias Video und fragten sie: Ist das ein neuer TikTok-Trend, oder Dubai-Propaganda? „Ich habe keine Angst, meine Meinung zu äußern. Und bin mir auch sicher, dass wir hier gut beschützt werden“, kontert die 18-Jährige: Sie fühle sich in Dubai viel sicherer als in ihrer Heimatstadt Koblenz.

You live in Dubai, arent you scared?
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No, because I know who protects us.
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Gleichzeitig findet man auch Beiträge anderer Influencer und vermögender Auswanderer, die von Sirenen, Luftangriffen und einer beginnenden Fluchtbewegung sprechen.

Werbedeals mit den Scheichs

Öffentliche Personen beschwichtigen derzeit auffallend und äußern sich kaum kritisch. Das sei kein Zufall, sagt Shoura Hashemi von Amnesty International Austria. In Dubai seien nämlich zahlreiche bezahlte Influencer tätig, die nicht nur Produkte bewerben, sondern teils auch im Sinne staatlicher Akteure kommunizieren. Inhalte würden dabei mitunter so gestaltet, dass die Lage im Land – etwa die Situation von Frauen – deutlich positiver erscheine, als sie nach Einschätzung von Menschenrechtsorganisationen tatsächlich sei.

Vor diesem Hintergrund sei es naheliegend, dass gerade solche Stimmen nun öffentlich den Eindruck vermittelten, es bestehe keine akute Gefahr. Die Emirate seien wirtschaftlich stark von Expats und Tourismus abhängig; Stabilität zu zeigen liege daher im unmittelbaren Interesse des Landes, sagt Hashemi.

Völkerrechtswidrig

Expertinnen und Experten sind sich einig: Die aktuelle Lage in der Nahost-Region ist völkerrechtlich eindeutig. Man spricht von Verstößen auf mehreren Seiten. Ein „Präventivschlag“, wie die USA und Israel argumentiert, setzt eine unmittelbar drohende Attacke voraus. Das sei hier nicht gegeben, daher handle es sich um einen völkerrechtswidrigen Angriff.

Zugleich habe der Iran zwar grundsätzlich ein Recht auf Selbstverteidigung, dieses sei jedoch klar begrenzt. Angriffe auf zivile Ziele oder das Inkaufnehmen ziviler Opfer verstoßen gegen humanitäres Völkerrecht. Wenn Flughäfen oder Hotels getroffen werden und Zivilisten sterben, sei auch das völkerrechtswidrig. „In diesem Konflikt schenken sich beide Parteien nichts“, sagt Hashemi.

Während sich vermögende Ausländer in Hotels oder Gated Communities vergleichsweise sicher fühlen, leben hunderttausende Arbeitsmigranten unter deutlich schlechteren Bedingungen. Amnesty verweist auf wiederholte Berichte zu schlechten Arbeitsrechten, prekären Unterkünften und unzureichender Absicherung. Viele Arbeiter stammen aus Südasien, arbeiten auf Baustellen oder im Dienstleistungssektor, oft bei extremer Hitze.

Hübsche Schale, rigider Kern

Das politische Umfeld ist restriktiv. Die Emirate kennen kein formales Bekenntnis zur Meinungsfreiheit wie Österreich oder Deutschland. Kritik an Regierung, Herrscherfamilie oder Behörden kann strafrechtliche Folgen haben, ebenso Versuche, unabhängige Gewerkschaften zu gründen oder zu protestieren. Im Ranking der Pressefreiheit liegen die VAE auf den hinteren Rängen.

Die medizinische Versorgung in den Golfstaaten gilt als technisch hochwertig. Der Zugang ist jedoch ungleich verteilt: Wohlhabende verfügen über umfassende private Versicherungen, Arbeitsmigranten meist nur über eine Grundabsicherung.

Und während manche Influencer Gelassenheit demonstrieren, berichten internationale Medien von einer anderen Bewegung: Wohlhabende Bewohner sollen mit Konvois aus SUVs Dubai und Abu Dhabi verlassen haben. Zwischen Skyline und Sirenen zeigt sich damit eine alte Bruchlinie neu: Kann man es sich leisten, in der Gated Community im Homeoffice Schutz vor Raketen zu suchen oder muss man trotz der instabilen Lage unter sklavenähnlichen Bedingungen weiterarbeiten? Sicherheit und Stabilität sind auch in Dubai eine Frage der Perspektive – und der Mittel. 

Natalia Anders

Natalia Anders

ist seit Juni 2023 Teil des Online-Ressorts und für Social Media zuständig.

Hannah Leitner

Hannah Leitner

ist seit Jänner 2026 Teil des Digital-Ressorts. Moderiert ehrenamtlich bei Politiktrafik und war drei Monate Trainee bei profil.