Karte der Straße von Hormus
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Der Schauplatz des Krieges gegen den Iran hat sich auf ein Gebiet von 167 Kilometer Länge und 39 bis 97 Kilometer Breite verengt: die Straße von Hormus. Die neuralgische Meerenge erweist sich als Wunderwaffe des Iran und als Schlüssel zu einem möglichen Frieden.

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Esmail Baghaei, der oberste Sprecher des iranischen Außenministeriums, blickt hinter seiner dünnrandigen Brille ernst drein. Hinter ihm an der blauen Wand sind mit grauen Linien die Konturen einer Weltkarte gezeichnet, rechts und links neben ihm steht je eine Flagge des Iran. Ein Journalist stellt eine ungewöhnlich provokante Frage: „Die USA sind eine Supermacht. Welche Mittel haben Sie ihr entgegenzusetzen, und warum ziehen Sie sich nicht zurück und geben nach?“ Baghaei verzieht keine Miene und antwortet mit einem einzigen Satz: „Der Iran ist auch eine Supermacht.“

In dieser Aussage stecken trotziger Stolz und absichtsvolle Propaganda, aber auch die Erfahrung aus Jahrhunderten persischer Geschichte und die Überzeugung, dass der Iran über eine Waffe verfügt, die ihm unvermutet den Status einer De-facto-Supermacht verleiht: die Herrschaft über die Straße von Hormus. Mit dem Namen dieser Meeresenge verbindet die Weltöffentlichkeit seit Wochen eine Treibstoffkrise, steigende Benzinpreise und eine verwirrende Blockadepolitik des Iran und der USA. Für Iraner jedoch schwingt in dem Begriff etwas mit, das ein altes persisches Sprichwort so ausdrückt: „Wäre die Welt ein Ring, Hormus wäre das Juwel darin.“

Robert Treichler

Robert Treichler

Ressortleitung Ausland, stellvertretender Chefredakteur.