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Le Pen, Weidel, Meloni: Wie Frauen in rechten Parteien aufsteigen

Im Allgemeinen denken Frauen progressiver und wählen eher linke Parteien als Männer. Aber warum haben neuerdings so viele Frauen in rechten Parteien das Sagen?

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Im März 1919 zogen zum ersten Mal in der Geschichte Österreichs acht Frauen in das Parlament ein. Sie waren, mit einer Ausnahme, allesamt Sozialdemokratinnen und ihre politischen Forderungen ihrer Zeit weit voraus: Einkommensgleichheit für Männer und Frauen, eine Eherechtsreform, die Verbesserung der Arbeitsverhältnisse von Hausgehilfinnen.

Ist doch nur logisch, könnte man meinen. Wenige Monate zuvor, im Dezember 1918, war in Österreich das Wahlrecht für Frauen eingeführt worden. Und viele Frauen wählen jene Parteien, die sich für ihre Rechte einsetzen, oder? Diese Kausalität ist ein Trugschluss. Denn damals, vor über 100 Jahren, wählten Frauen sogar konservativer als Männer. Die Sozialdemokraten hatten sich zwar für das Frauenwahlrecht starkgemacht, aber am Ende war es die konservative Christlichsoziale Partei, die am meisten Frauenstimmen für sich gewinnen konnte.

Heute ist es genau umgekehrt.

Umfragen in westlichen Demokratien zeigen seit Jahren ein deutliches Bild. Frauen wählen tendenziell linke und progressive Parteien, während Männer eher zu konservativen und rechten Parteien tendieren. Das gilt im Besonderen für junge Wählerinnen. Bei der Bundestagswahl in Deutschland im Jahr 2025 wählten laut Wahlforschern 27 Prozent der Männer zwischen 18 und 24 Jahren die AfD, bei den gleichaltrigen Frauen waren es dagegen nur 15 Prozent. Ganz anders die Verteilung bei der Partei „Die Linke“. 35 Prozent der sogenannten Gen-Z-Frauen machten ihr Kreuz dort, während es bei den Männern nur 16 Prozent waren. In Österreich ist der Gender-Vote-Gap nicht so eklatant, aber auch bei der Nationalratswahl 2024 war die FPÖ bei Männern unter 44 Jahren laut Wählerstromanalyse populärer als bei Frauen.

Franziska Tschinderle

Franziska Tschinderle

schreibt seit 2021 im Außenpolitik-Ressort. Studium Zeitgeschichte und Journalismus in Wien. Schwerpunkt Südosteuropa / Balkan.