Schottlands Weckruf: Neustart für Großbritannien wird erwartet

Schottlands Weckruf: Neustart für Großbritannien wird erwartet

Das Ergebnis des Referendums über die Unabhängigkeit Schottlands erspart der EU eine Fülle von neuen Problemen. Doch es muss zunächst rasch zu Reformen in Großbritannien führen.

EU-Politiker reagierten so wie die britische Regierung erleichtert auf das Ergebnis des Referendums über die Unabhängigkeit Schottlands. Denn eine Abspaltung hätte die Europäische Union vor neue Probleme gestellt: Würden dem Beispiel Schottlands nicht weitere Regionen wie Katalonien oder Flandern folgen? Ist eine EU mit mehr als 30 Mitgliedsstaaten in der derzeitigen Struktur überhaupt noch lenkbar?

Für eine neue europäische Verfassung, die wohl mehr Machtübertragung an zentrale Institutionen bedeuten würde, gibt es derzeit keine Mehrheit unter den EU-Bürgern. Dies steht außerdem im Widerspruch zum gegenwärtig in vielen EU-Ländern zu beobachtenden Erstarken des Nationalismus.

Ein Beitrittsansuchen Schottlands hätte eine Fülle von rechtlichen Problemen mit sich gebracht. Spaniens Regierung hätte zudem sicher ein Veto eingelegt. Und das für 2017 angekündigte Referendum über einen Verbleib Großbritanniens in der EU würde wohl ohne die europafreundlichen Schotten mit Nein ausgehen.

Doch das Referendum muss jetzt zu Reformen in Großbritannien führen. Die Schotten müssen mehr Autonomie bekommen, mehr Eigenständigkeit bei der Gestaltung ihrer Politik, etwa bei den Steuern oder im Sozialbereich. Viel zu spät und zaghaft hat die Zentralregierung in London auf die Forderungen im Norden reagiert.

Schottlands Abstimmung muss in jedem Fall ernst genommen werden, in London und in Brüssel.