Proteste in Tehran: Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften
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Stimmen aus dem Iran: „Unser Zorn ist größer als unsere Angst“

Wirtschaftskrise, Repression und jetzt ein US-Schlag. profil kontaktierte in den Tagen vor dem Angriff Menschen im Iran, die von ihren Hoffnungen und Ängsten erzählten.

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Wie geht es Menschen im Iran? Ein Land, in dem aufgrund der Wirtschaftskrise die Preise explodiert sind und wo im Jänner 2026 Proteste gegen das Regime mit brutaler Gewalt niedergeschlagen wurden. Ein Land, über das nun ein US-Angriff rollt.

profil hat über Exiliranerinnen und -iraner aus der Diaspora Menschen kontaktiert und nach ihrem Alltag, ihren Ängsten und Wünschen gefragt. Das sind ihre übersetzten Transkripte im Wortlaut. Die Namen wurden von der Redaktion in Absprache mit den Gesprächspartnern und Gesprächspartnerinnen abgeändert. Die Gespräche wurden kurz vor dem US-Angriff geführt.

Als die Regimetreuen an der Schule anfingen zu singen, hat die Mehrheit der Schülerinnen geschwiegen

Schuldirektorin

Maryam, Schuldirektorin an einer Mittelschule für Mädchen 

Die Schulen sind offen. Kürzlich wurde der Jahrestag der Revolution (Anm. die Islamische Revolution von 1979 führte zur Absetzung von Schah Mohammad Reza Pahlavi und zur Beendigung der Monarchie) gefeiert. An unsere Schule kamen auch Revolutionsgardisten. Es wurden Lieder gesungen für die Revolution. Als die Regimetreuen an der Schule anfingen zu singen, hat die Mehrheit der Schülerinnen geschwiegen. Das war bis vor kurzem undenkbar, so etwas ist noch nie passiert. Trotzdem ist die Situation im Iran derzeit sehr beängstigend. Niemand traut dem anderen. Die Schülerinnen wagen es nicht, etwas zu sagen. Ich selbst wage es nicht, die Schülerinnen anzusprechen. Es finden jetzt noch Verhaftungen statt, auch einige Schülerinnen sind darunter, im Alter von 12 bis 18 Jahre alt. Ich habe Angst, dass die USA angreifen und es ein langer Krieg wird. Das Volk hat nicht die Kraft, das durchzustehen. Auch wegen der brutalen Niederschlagung der Demonstrationen Anfang Jänner.  

Soldaten salutieren vor Irans oberstem Führer Chamenei
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Wir hoffen auf den Tod Chameneis. Unser Zorn ist größer als unsere Angst. 

Parisa, eine Frau Ende Dreißig 

In meinem Freundes- und Bekanntenkreis herrscht große Ungewissheit. Wir sind traumatisiert von den Ereignissen Anfang Jänner und von der brutalen Niederschlagung der Proteste im ganzen Land. Am 8. und 9. Jänner wurden in nur zwei Tagen mehr Menschen getötet als in einem Krieg. Jetzt haben wir auch noch Angst vor der Zukunft. Jeder denkt an den möglicherweise bevorstehenden Krieg. Wir wissen nicht, was wir dann tun sollen. Viele Menschen haben den Iran verlassen oder planen ihre Flucht. Wohlhabende Iraner haben in der Türkei Wohnungen und Häuser gekauft, und einige sind auch in die Kurdengebiete im Norden des Landes geflohen. Das liegt daran, dass das Regime die Menschen dort nicht so brutal verfolgen kann, wie im Rest des Landes. Die Lebensmittelpreise sind explodiert. Wir fürchten eine Hungersnot. Viele Restaurants sind geschlossen. Sie sind in die Pleite gerutscht oder können wegen der Teuerung und dem Mangel an Lebensmittel nicht öffnen. Es gibt in meinem Umfeld aber auch viele, vor allem jüngere Leute, die keine Angst mehr vor einem Angriff der Amerikaner haben. Dann ist zumindest das Regime weg. Wir hoffen auf den Tod Chameneis. Unser Zorn ist größer als unsere Angst. 

Ich warte auf diesen Anschlag und die Unterstützung aus dem Ausland.

Siamak, Elektroingenieur 

Ich warte auf diesen Anschlag und die Unterstützung aus dem Ausland. Damit dieses Regime so schnell wie möglich weg ist. So lange dieses Regime an der Macht ist wird es viele Tausende Tote geben. Die Proteste im Jänner haben gezeigt: Dieses Regime hat gar keine Scheu mehr. Wir wollen, dass es zu Ende geht. Ich informiere mich über die Lage über ausländische Medien. Die Demos von Iranerinnen und Iranern im Ausland, zum Beispiel im München, habe ich mitbekommen. Und auch, dass die EU die Revolutionsgarden auf die Terrorliste gesetzt haben. Ich finde das natürlich gut, aber das hätte schon vor Jahren passieren müssen. Ich glaube, dass mittlerweile 90 Prozent der Iranerinnen und Iraner gegen dieses Regime sind. Auch wenn sie das nicht so deutlich sagen, merkt man es in tagtäglichen Gesprächen. 

Franziska Tschinderle

Franziska Tschinderle

schreibt seit 2021 im Außenpolitik-Ressort. Studium Zeitgeschichte und Journalismus in Wien. Schwerpunkt Südosteuropa / Balkan.

Siobhán Geets

Siobhán Geets

ist seit 2020 im Außenpolitik-Ressort und seit 2025 stellvertretende Ressortleiterin. Schwerpunkt: Europa und USA.