US-Botschaft in Jerusalem: Dutzende Tote bei Protesten in Gaza

Proteste gegen US-Botschaft

Schon Stunden vor der Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem ist es am Montag zu heftigen Protesten der Palästinenser mit vielen Toten gekommen. Mindestens 37 Palästinenser wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums im Gazastreifen bei Konfrontationen mit israelischen Soldaten an der Grenze zu Israel erschossen. Rund 1700 Menschen seien verletzt worden, darunter Hunderte durch Schüsse.

Es ist der Tag mit den meisten Todesopfern seit dem Gaza-Krieg 2014. Der palästinensische Gesundheitsminister Jawad Awad in Ramallah warf Israel ein "Massaker an unbewaffneten Demonstranten" vor. Russland zeigte sich besorgt angesichts der Verlegung der US-Botschaft. Die Türkei sprach von einem Massaker. Die deutsche Regierung mahnte zur Mäßigung. Al-Kaida rief zum Heiligen Krieg auf.

Bis zu eine Million Menschen waren im Gazastreifen an der Grenze zu Israel zu Protesten erwartet worden. Nach Angaben der Armee beteiligten sich zunächst mehr als 35.000 Menschen an zwölf verschiedenen Orten an den Protesten am Grenzzaun. Palästinenser hätten Brandbomben und explosive Gegenstände auf Soldaten geworfen, hieß es in einer Stellungnahme. Sie würden Reifen verbrennen und versuchen mit brennenden Gegenständen Feuer in Israel zu entzünden.

"Wir machen weiter, damit die andere Hälfte in Würde leben kann"

Palästinenser im weitgehend isolierten Gazastreifen ließen ihrer Verzweiflung unterdessen freien Lauf: "Selbst wenn die Hälfte der Bevölkerung stirbt, ist es uns egal", sagte der 31-jährige Bilal Fasayfes im südlichen Khan Yunis. "Wir machen weiter, damit die andere Hälfte in Würde leben kann."

Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und israelischen Soldaten in Gaza

Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und israelischen Soldaten in Gaza

Die USA haben am Montagnachmittag 70 Jahre nach der Gründung des Staates Israel ihre Botschaft in Jerusalem im Beisein von rund 800 Gästen eröffnen. US-Präsident Donald Trump hatte im Dezember in einem umstrittenen Alleingang Jerusalem als Israels Hauptstadt anerkannt. Er kündigte die Verlegung der Botschaft von Tel Aviv in die Heilige Stadt an. Die Entscheidung wurde international scharf kritisiert.

Israel hat den Ostteil Jerusalems im Sechstagekrieg 1967 erobert. Den Anspruch der Palästinenser auf Ost-Jerusalem als Hauptstadt für einen eigenen Staat Palästina lehnt Israel ab. Doch die internationale Gemeinschaft pocht darauf, dass der künftige Grenzverlauf in Verhandlungen beider Seiten geklärt wird. Dies hat auch Trump gesagt.

"Bewegender Tag für Israel"

Der israelische Regierungschef Benjamin Netanyahu sprach vor der Botschaftseröffnung von einem "bewegenden Tag für das Volk Israel und den Staat Israel". Netanyahu zitierte bei Twitter aus der Bibel: "Als der Herr die Gefangenen Zions zurückbrachte, da waren wir wie Träumende." Israel feiert den Schritt am 70. Jahrestag seiner Staatsgründung als politischen Triumph.

Am Dienstag jährt sich zudem zum 70. Mal die Al-Nakba (deutsch: Katastrophe oder Unglück). An diesem Tag erinnern die Palästinenser an die Vertreibung und Flucht von rund 760.000 Landsleuten, die 1948 auf die Gründung des Staats Israel folgten. Seit Ende März hat die israelische Armee bei den Protesten am Gazastreifen gegen Vertreibung und Landnahme nun bereits mehr als 90 Palästinenser erschossen.